Miki Sakamato über München III

Klingt „Mün-chen“ für ostasiatische Ohren schon an sich chinesisch, so verstärkt sich dieser Eindruck, wenn es typisch bayerisch „Ming-g(u)a“ ausgesprochen wird. Denn das könnte auf Chinesisch etwa „berühmtes Land“ heißen. Irgendwie scheinen die Bayern erahnt zu haben, dass es sich so mit ihrer großartigen Hauptstadt verhält. Warum sonst würden so viele Besucher aus aller Welt nach München kommen, auch wenn es gerade kein Oktoberfest gibt. Das bayerische „Ha?“, das ich häufig auf meine Fragen hin zu hören bekam, klang für mich wie ein freundliches japanisches „hai“ (ja). Bei so häufiger (vermeintlicher) Zustimmung machte es mitunter richtig Spaß, in die Fremdsprache einzudringen. Nie hätte ich erwartet, dass sich zum Beispiel auf eine einfache Frage ein Gespräch in so einer Weise entwickeln könnte: „Wo bitte ist das Rathaus, wo die Puppen tanzen?“ – „Ha? S' Rothaus? Do!“ – „Wann beginnt das Spiel?“ – „Um Elfe“ – „Wie oft wird gespielt am Tag?“ – „Keine Ahnung“ oder: „Oiwei“ (Immer). – „Wo ist die Kasse? Ich muss mir die Eintrittskarte besorgen!“ Entsetzter Ausdruck in den Gesichtern der befragten Münchner. „Eintritt?! Nein, das kostet nichts, natürlich nicht! Jeder kann das anschauen, so oft und so lange, wie er will.“ Ohne Eintritt! Für mich war das unvorstellbar, dass so etwas den Menschen kostenlos geboten wird. In Japan musste man für alles bezahlen. Hier dürfen die Menschen sogar den Verkehr auf dem Rathausplatz stark behindern oder zum Erliegen bringen, weil die Puppen tanzen.

Miki Sakamoto, Münchner Freiheit. Fernöstliche Blicke auf die Weltstadt mit Herz, 2007 (Zit. aus: Miki Sakamoto: Münchner Freiheit. Fernöstliche Blicke auf die Weltstadt mit Herz. München 2007, S. 23)

 

Unregelmäßig zwar, aber dafür immer dann, wenn das, was er freigibt, auch ganz besonders eindrucksvoll wirkt. Es sind dies die Tage mit Föhn. Sie lassen die Berge zum Greifen nahe erscheinen. Der Münchner Himmel wird dann tatsächlich ganz „bayrisch weiß und blau“. Das Blau kommt vom Süden, von Italien her. Das Weiß liefern die vom Föhnblau von den Bergen fortgeschobenen Wolken.

Miki Sakamoto, Münchner Freiheit. Fernöstliche Blicke auf die Weltstadt mit Herz, 2007 (Zit. aus: Miki Sakamoto: Münchner Freiheit. Fernöstliche Blicke auf die Weltstadt mit Herz. München 2007, S. 186)

 

Miki Sakamoto (geb. 1950), japanische Schriftstellerin; Aufenthalt in München: seit 1975

Verfasst von: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek