Der norddeutsche Löwe

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"Heinrich der Löwe, Herzog in Baÿern, erbaut über die Isar bei München eine Brücke, und legt den Grund zur künftigen Residenzstadt Baÿerns, 1158". Aus: Geschichte von Bayern und der zum Königreiche Bayern gehörigen Provinzen Rheinpfalz, Franken u. Schwaben..., Holzschnitt 1853. (Bayerische Staatsbibliothek/Porträtsammlung)

Roland Müller schreibt im Nachwort zu seinem historischen Roman Das Erbe des Salzhändlers, er habe bei seinen Recherchen eine Überraschung erlebt: Neuere Forschungsergebnisse ließen es fragwürdig erscheinen, dass Heinrich der Löwe für die Zerstörung der Isarbrücke verantwortlich sei. Vielmehr habe wahrscheinlich ein Blitzschlag den Brand ausgelöst. Dass der Welfenherzog die Entwicklung des Dorfes Munichen zur Stadt überhaupt erkannt und gefördert habe, könne man jedenfalls verneinen.

Dem pflichtet auch Martin Arz in seinem Buch Todsicheres München bei: In zeitgenössischen Quellen finde sich kein Hinweis auf einen Vandalenakt des Herzogs oder einen Brückenbrand. Dennoch bleibt für Arz die allgemein bekannte Version faszinierend, nach der Heinrich der Löwe, der seit 1142 gleichzeitig als Heinrich III. Sachsen und als Heinrich XII. Bayern regierte, aktiv geworden sei, um seine Macht zu vergrößern. Dazu gehörte es, den Bischof Otto von Freising daran zu hindern, an den Salztransporten über die Isar zu verdienen. Arz resümiert in dem Kapitel „Der Löwe schlägt zu. Das Wirtschaftsverbrechen, das zur Gründung Münchens führte“:

Doch ob nun Heinrich die Feringa-Brücke abgefackelt hat oder ob seine Soldaten als mobiles Navigationssystem die Händler überredeten, mal eine neue Strecke auszuprobieren – beides sind kriminelle Akte und vermutlich kommt eine Kombination aus beiden der Wahrheit am nächsten.

(Arz, Martin [2009]: Todsicheres München. Die spektakulärsten Kriminalfälle. Hirschkäfer Verlag, München, S. 9)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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