München

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Bernardo Bellotto, il Canaletto: Ansicht von München, Schloß Nymphenburg, von Westen aus gesehen, 1761

Jean Paul und München

Am 27. Mai 1820 reist Jean Paul das einzige Mal nach München (bis 9. Juli), wo er seinen dort studierenden Sohn Max besucht. Neben Max trifft er auf alte Bekannte, das Ehepaar Schlichtegroll, Renate und Christoph Otto, aber auch der Philosoph Franz von Baader sowie weitere Gelehrte zählen zu seinem Umgang. Außerdem hat Jean Paul eine Audienz bei König Max I. Joseph und Königin Karoline.

Am 30. Mai trifft er in der kgl.-bayerischen Haupt- und Residenzstadt ein, wo er im Rochusgäßchen zwei kleine Zimmer mit Abendsonne bezieht. München bleibt für Jean Paul allerdings nur eine »halbe Heimath«. In einem Brief an Karoline vom 13. Juni schildert er seine Abneigung: »Im ganzen Jahre hab´ ich nicht so verdrießliche Tage gehabt als die Mehrzahl meiner hiesigen gewesen. Den blauen Himmel ersetzt mir keine Stubendecke. Rundum gäb´ es schöne Dörfer und Plätze, wenn man hinkönnte. Außerdem vergällt der Regen das Ausgehen; - und das Staatsvolk oder Münchnervolk ist, wie ich vorausgesagt, kein Frankfurter oder Stuttgarter Verein für Autoren.« So ist es auch kein Wunder, dass Jean Paul als auswärtiges ordentliches Mitglied der Kgl. Akademie der Wissenschaften keine regelmäßige Besoldung erhält. Zu diesem Zweck müsste er nach München ziehen, um an den Akademiesitzungen teilzunehmen, wozu er sich außerstande sieht.

Vom König, der Jean Paul recht ähnlich sieht, ist Jean Paul jedoch begeistert: »Einen solchen weitoffnen, gutmüthigen, unbegehrlichen, anspruchslosen, hausväterlichen König hab´ ich mir nie gedacht«, schreibt er an Karoline nach Bayreuth. Das Urteil wird indes getrübt durch die Tatsache, dass Königin Karoline nicht die ihr gewidmete LEVANA liest, sondern die Jean Paul verhasste CHRESTOMATHIE, einen Verschnitt aus seinen Werken, den ein Raubdrucker publiziert hat.

Nur zweimal besucht Jean Paul während seines Aufenthalts die Oper. Daneben hält er sich eine Stunde in der Gemäldegalerie auf. Am 4. Juni unternimmt er eine Fahrt nach Schloss Nymphenburg, um die Gräfin Taxis zu sehen. Bei der Kutschenfahrt stürzt Jean Pauls Einspänner um, er selbst erleidet einen Rippenbruch. Noch Monate später hält der Schmerz an, den er mit Blutegeln auszukurieren versucht.

[Auguste von Schlichtegroll an Friedrich Jacobs, 8. Juli 1820]

Präsident v. Mann, Redakteur der Eos, hat ihn [Jean Paul] zwei Tage mit am Starnberger See genommen, welches ihm ziemlich gut unterhalten hat - übrigens hat er aber fast keine andere Bekanntschaften hier gemacht als welche unsern Zirkel ausmachen; Sömmerring, Schmidts, Thierschs, Yelins, Kobell, Frau v. Schaden haben ihn teils zu Mittag, teils zu Abendgesellschaften geladen. Sie sehen daraus, daß er wenig mit eigentlichen Münchnern zusammengekommen ist, soviel sich auch mein Mann bemüht hat, ihn mit welchen zusammenzubringen; und dies hat ihm im Vergleich mit andern Orten, wo er so sehr aufgesucht und befestet wurde, wohl auffallen müssen, so daß er die Münchner auch halbe Barbaren findet.

Ruhmeshalle (Jean Pauls Büste)

Die Jean-Paul-Büste in der Ruhmeshalle auf der Anhöhe über der Münchner Theresienwiese ist ein 1840 entstandenes Werk des Bildhauers Peter Paul Schoepf (1757-1841).

Schoepf hat schon mehrere Aufträge König Ludwigs I. für Gebäude ausgeführt. In Rom vollendet er die Büste des Generals Alexander von Haslang für die bayerische Ruhmeshalle und kehrt Ende 1838 nach München zurück, wo er eine Marmorstatue für die Münchner Glyptothek, zwei Walküren für die Walhalla in Regensburg und die Büsten des Tondichters Christoph Willibald Gluck, des Grafen von Rumford sowie des Schriftstellers Jean Paul für die Ruhmeshalle anfertigt. Dem Urteil von Familienangehörigen zufolge zeichnet sich Jean Pauls Büste durch besondere Porträtähnlichkeit aus und wird deshalb auch zum Vorbild für den Kopf des Bayreuther Jean-Paul-Denkmals.

Die Idee, neben der Walhalla - dem »Pantheon der Teutschen« - einen Ehrentempel für bayerische Berühmtheiten entstehen zu lassen, hat König Ludwig I. schon vor seiner Thronbesteigung. Von dem Historiker Lorenz von Westenrieder (1748-1829) lässt er sich eine Aufstellung aller großen Bayern machen, die nach seinem Amtsantritt von Innenminister Eduard von Schenk und dem Historiker Joseph von Hormayr ergänzt wird. Mit der Gründung der Ruhmeshalle verfolgt der König ein politisches Ziel: Die hier Geehrten stammen aus Bezirken des Königreichs, die erst nach 1800 als Folge der napoleonischen Zeit zu Bayern gekommen sind, nämlich aus Franken und Schwaben, also keine altbayerischen Gebiete. Ludwig I. möchte so ein Zeichen setzen, dass das noch junge Königreich eine Einheit bildet, obwohl es eigentlich ein aus den »drei Stämmen« zusammengesetztes Kunstprodukt ist. Darüber hinaus spiegeln die verschiedenen Gelehrtenberufe die Anschauungen von Staat, Wissenschaft und Technik, die Lehren der Theologie und Philosophie sowie die Kunstepochen und -gattungen wider, die Ludwig seinem Volk zum Vorbild machen will.

In der 1853 vollendeten Ruhmeshalle finden zunächst 72 chronologisch aufgestellte Büsten ihren Platz. Danach kommen zwei weitere, nach dem Tod Ludwigs 1868 nochmals zehn hinzu. Jean Pauls Büste steht als Nummer 44 in der linken Seitenwand der Halle.


Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik & Katrin Schuster

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