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09.11.2013, 10:43 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [275]: Wie man Wissen verwendet

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Katalog Lepidoptera Phalænæ des British Museum (Vol. 4: Noctuidæ, Plate LXXII)

Alsdann ließ Oefel sich zum zweiten Mal frisieren und beflügeln, um als bestäubter Dämmerung- und Nachtschmetterling zwischen den Spielmarken und Schaugerichten und ihren Ebenbildern herumzusausen. Ich würde auf dieses Gleichnis nicht gekommen sein, wenn mich nicht sein gehörntes und in eine Kapsel zusammenlaufendes Abendhaar auf die Raupen der Nachtschmetterlinge geführet hätte, denen auch hinten ein Horn oder Zopf ansitzt – den Tagraupen sitzt nichts an, so wie sein abbreviertes aufgestecktes Morgenhaar es verlangte, damit sie diesem glichen.

Erstaunlich, was Jean Paul alles wusste. Und noch erstaunlicher, mit welcher Eleganz er sein Wissen in die Erzählung einbringt – nicht, um zu glänzen und zu verwirren, sondern um zu verdeutlichen. Wer immer behauptet, dass er totes Wortwissen in seine Werke einbrachte, um l'art pour l'art zu betreiben, hat vielleicht nie versucht, ihn en detail zu begreifen, um zu erkennen, wie die Welten zusammengehören.



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