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Gasthof Herzog Maximilian (Schild) mit Pfarrkirche St. Ägidius, Gmund. Foto: Peter Czoik (TELITO)

Bürstling

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Georg Stöger-Ostin. Aus: Hans Halmbacher: Das Tegernseer Tal in historischen Bildern. 3 Bde. Fuchs-Druck, Hausham 1980-87 (Sammlung Hans Halmbacher)

Die Einöde bei Ostin liegt in der Pfarrei Gmund. 1529 gab „Hans Mayr in dem Reith bei Wakersperg“ dem Gotteshaus Georgenried seinen Wiesengrund, genannt „der Pirsting“. Der Name Bürstling könnte demnach mit ‚pirsen‘ (jagen) zusammenhängen und „Besitz des Jägers“ bedeuten, da sich dieser nördlich auf der Ebene befindet. Unter Umständen ist er aber auch vom „Bürstlinggras“ hergeleitet, welches bei Nichtdüngung des Bodens wächst. (vgl. Gemeinden, S. 15)

In Bürstling wurde 1874 der Heimatdichter Georg Stöger-Ostin geboren. Aufgewachsen ist er in Schmerold:

Das Haus, in dem meine Eltern während meiner Schulzeit und auch hernach noch einige Jahre wohnten, war aus Bruchsteinen erbaut, und die grauen Mauern wiesen keinerlei Verputz auf. Es hatte ein nüchternes, fast armseliges Aussehen und stand nächst dem Fabrikgebäude hart an der Mangfall, dem Abfluss des Tegernsees. Die rührigen Wellen des Flusses rauschten und plätscherten in einem fort, von früh am Morgen bis zum späten Abend und auch die Nacht hindurch, immer ohne Unterlass.

(zit. n. Eisenburg: Georg Stöger-Ostin, S. 7)

Ganz in der Nähe liegt das Gut Schwärzenbach, die Bildungs- und Tagungsstätte von BMW. In der Gegend vom Sackerer-Bauern bei Gmund bis gegen Schwärzenbach hin, wo man es „am Schlachtgraben“ oder auch „Schlachtfeld“ nennt, sollen die Schweden im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ihr Lager gehabt haben. (vgl. Station 5) Ob diese Namen auf einen Kampf zwischen Gmunder bzw. Ostiner Bauern und der schwedischen Truppe zurückgehen oder nur auf das Abschlachten des gestohlenen Viehs, ist bis heute nicht geklärt. 1387 ist bei der Kirchenstiftung von einem „Juchert [= Joch] in dem Schlacht“ die Rede. Vermutlich handelt es sich dabei um jenes in Zusammenhang mit den Schweden gebrachte „Schlachtfeld“, obwohl der Name eigentlich „geschlagener Wald, Waldrodung“ bedeutet. In die Flucht wurden die Schweden jedenfalls geschlagen; ein Feld daneben trägt den sprechenden Namen „Lauffeld“. (vgl. Much, S. 56, u. Gemeinden, S. 17)

Literarisches Zeugnis: Georg Stöger-Ostin (1874-1965)

Der Sohn eines Tagelöhners Georg Stöger-Ostin musste sich nach Besuch der Volksschule sein Brot selbst verdienen: Er war Bauernknecht, Fuhrmann, Fabrikarbeiter, Fährmann und Holzfäller. 1906 gründete er einen Hausstand und übersiedelte nach Osterwarngau, wo er im Winter, als alle Holzarbeit ruhte, seine erste Geschichte schrieb: Kasperl und der Holzknecht.

Beflügelt durch den Abdruck im Miesbacher Anzeiger und den Erfolg seiner Holzfällergeschichten entstanden im Laufe der Zeit über 60 Romane und Erzählungen, über 100 Kurzgeschichten sowie an die 20 Bühnenstücke und Einakter. Die bekanntesten sind die Romane bzw. Theatertitel Georg Jennerwein, der Wildschütz (1929) und Der wilde Jager von Gmund (1954). Seine Stücke wurden vom Leiter des Schlierseer Bauerntheaters Xaver Terofal (1862-1940) genauso aufgeführt wie von Laienbühnen.

1910 wurde Stöger-Ostin zum Schriftleiter des Rottaler Boten nach Pfarrkirchen berufen. 1912 kehrte er nach Miesbach zurück und bekam eine Stelle als Lokalredakteur.

Kirchenfriedhof, Grabstätte von Georg Stöger-Ostin. Foto: Peter Czoik (TELITO)

Die letzten Lebensjahre verbrachte er in seinem Haus in Miesbach. Im Kirchenfriedhof seiner Heimatstadt Gmund wurde er begraben. Sein Grab ist inzwischen aufgelöst – lediglich ein Kreuz mit einem Vers ist noch erhalten. In Ostin erinnert eine Straße an ihn.

Gmund am Tegernsee

Wo die Mangfall scheidet vom grünen Tegernsee,
An ihren beiden Ufern ein schmuckes Dorf ich seh’,
Es liegt so hübsch gebettet, wie’s heisst, ich tu euch’s kund:
Es ist mein Heimatdörflein, das alte liebe Gmund.

Von seinen alten Häusern so manche Sage geht,
Vom Forstwarthaus, dem grauen, das hart am Wasser steht;
Im Gasthof, nächst dem Kirchweg, ein Fürst nahm oft Einkehr,
König Max, der Erste, und andre Fürsten mehr.

Hier war die alte Brücke oft unser Tummelplatz;
Hei – wie die Ranzen flogen, hielten wir Buben Hatz;
Bis uns der Gschwandler [= ansässiger Arzt] drohte, der alte, lahme Mann,
Da hiess es eilig flüchten, was ein Bub nur laufen kann.

Auch eines Mann’s gedenk ich, eines Lehrers ehrenwert,
Ihm dankten wir viel Wissen, das er mühevoll gelehrt,
Im Guten und im Strengen, es brauchen Buben Zucht,
Doch was er lehrt’ und wehrte, dankbar sei’s ihm gebucht.

Lenk’ ich zurück mein Sinnen, so manches, manches Jahr,
Zu jener Zeit des Lebens, als ich noch Knabe war,
Im Innern voll des Hoffens, nur Gutes brächt’ die Zeit,
Als blieben mir ferne Sorgen, Nöte und Traurigkeit;

Dann komm’ ich zu dem Wissen: viel Hoffen ist nur Rausch,
Es wechseln Freud’ und Sorgen in immer stetem Tausch;
Doch karg sind des Glückes Stunden, der Enttäuschungen viel mehr,
Nie wird in deinem Leben, was der Jugend war heiss Begehr.

Sei’s dem, wie es wolle! Erinnerung ist schön,
Wenn später die Geschicke auch oft and’re Wege geh’n.
Drum widme ich mein Sinnen gern mancher schönen Stund’,
Die ich als Knab’ verlebte im alten lieben Gmund.

(zit. n. Eisenburg, Georg Stöger-Ostin, S. 6)

 


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Verfasst von: TELITO / Dr. Peter Czoik