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Badehaus mit Quellentempel 1913 (Gemeindearchiv Bad Wiessee)

Hotel Terrassenhof

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Foto: Ingvild Richardsen (TELITO)

Das Hotel Terrassenhof in Bad Wiessee, ein bekanntes Hotel-Restaurant und Tagungshotel, hat eine lange Geschichte hinter sich. Das Hotel ist in der Hand der Familie Gericke, die es auch gegründet hat. Alwin Gericke erzählt noch heute, dass sein Hotel, das in nächster Nähe zum früheren niederländischen Jod-Schwefelbad lag, eng mit ihm verbunden war. Anfang der 1930er-Jahren hatten Maria und Alwin Gericke an diesem Ort zuerst das Bierstüberl „Jodhütte“ übernommen, das für seine schöne, direkt am See gelegene Terrasse berühmt war, womit der Terrassenhof seinen Anfang nahm. Wenig später kauften sie dann das gesamte Anwesen. Aus dem Bierstüberl wurde die Pension Terrassenhof, dessen Café-Restaurant aber vorerst weiterhin den Namen „Jodhütte“ trug. Hier im Terrassenhof konnte man nicht nur eine Trinkkur mit Jod-Schwefelwasser machen, sondern auch gut essen, Wein und Bier trinken und in einem Tanzsaal das Tanzbein schwingen. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde der Terrassenhof um eine großzügige Café-Terrasse noch erweitert.

Strandcafé-Restaurant Jodhütte (Gemeindearchiv Bad Wiessee)

Arthur Roeslers Werbebilder

Es war der Münchner Illustrator und Karikaturist Arthur Roesler (1866-1934), der in der Pension Terrassenhof Anfang der 1930er-Jahre mit Versen und Gedichten versehene Bilder und Plakate anfertigte, die Bad Wiessee, das Jod-Schwefelbad und die Vergnügungen im Café-Restaurant Jodhütte bewarben. Mit diesen und anderen Illustrationen, die er den Gerickes überließ, erkaufte sich Roesler, der in München auch die Zeitschriften Jugend und Simplicissimus mit Illustrationen belieferte, damals seine Aufenthalte im Terrassenhof. In Erinnerung an ihn trägt das Café-Restaurant des Hotels noch heute den Namen „s' Roesler“.

Pension Terrassenhof mit Café-Restaurant (Gemeindearchiv Bad Wiessee)

Plakate und Bilder aus dem Terrassenhof am Tegernsee

Der Großteil dieser Plakate und Bilder, die Werbung für Bad Wiessee, das Jodschwefelbad und die Jodhütte machen, ist mit „Jodstube Bad Wiessee am Tegernsee“ oder „Jodbadstube Wiessee“ betitelt und wirbt für eine Verjüngungskur in Bad Wiessee, für Jodschwefel-Trink- und Badekuren als Jungbrunnen und Allheilmittel, aber auch für Erholung und Amüsement im Café-Restaurant Jodhütte. Einige Beispiele:

- Ein Plakat, das an das Märchen vom Hasen und dem Igel erinnert, präsentiert einen vor einer Alpenseekulisse stehenden Igel, der in der Hand das Ortsschild „Nach Wiessee“ hält. Mit dem Ratschlag Auf eile zur Verjüngungskur / Die findest Du in Wiessee nur weist er einen offensichtlich lahmen, alten am Stock gehenden Hasen nach Bad Wiessee.

- Ein weiteres Plakat zeigt einen erschöpften Frosch am See. Gentlemanlike mit Weste, Hemd, Schlips und Mantel bekleidet, hält er in einer Hand Hut und Stock, mit der anderen wischt er sich Erschöpfung und Schweiß vom Gesicht. Er warnt den Erschöpften und Gestressten vor Herzinfarkt und nahem Tod, vor dem nur die Kuranstalt in Bad Wiessee retten könne. Unter der Illustration steht zu lesen:

Wein und Liebe reiben auf!
Beweis: so mancher Lebenslauf.
Das Herz wird schwach der Blutdruck steigt
Mein lieber Freund nimms nicht so leicht!
Rasch tritt der Tod den Menschen an
Ne Jodkur Dich nur retten kann
Drum schnüre dein Bündel komme bald
Nach Wiessee in die Kuranstalt!

- Ein drittes Plakat zeigt ein schwungvoll in Tracht tanzendes, lachendes Pärchen. Sie trägt Dirndl und Hut mit Feder, er Lederhose, Hemd, Wadenstrümpfe, Haferlschuhe und gleichfalls einen Hut mit Feder. Im beigegebenen Gedicht erfährt man, dass es einem genauso so gut wie den beiden gehen werde, wenn man eine Jod-Trink- und Badekur mache, die Rheuma, Gicht und andere Wehwehchen zum Verschwinden bringe. Solcherart werde man wieder fröhlich tanzen und Wein trinken:

Wenn Rheuma, Zipperlein und Gicht
Dich quälen Nacht und Tag
Dann, lieber Freund, verzweifle nicht,
Beseitigt wird die Plag!
Komm schleunigst nur nach Wiessee her
Und trink und bade Jod
Dein Leiden schwindet immer mehr
Vorbei ist bald die Not!
Dann wirst Du wieder fröhlich sein
Und tanzen wie ein Kind
Auch trinken Rhein- und Moselwein
Komm also her geschwind!

- Auf einem vierten Plakat sieht man einen volltrunkenen dicken Mann in Tracht am Tisch sitzen, in der einen Hand ein Weinglas, in der anderen eine Weinflasche. Eine weitere Flasche Wein steht auf dem Tisch. Das Gedicht erzählt von dem feuchtfröhlichen Vergnügen, das man im Café Jodhütte nach den Anstrengungen des Tages genießen kann:

Heut morgen hab ich Jodwasser getrunken,
Gen Mittag bin ich im Wein versunken
Den Nachmittag hab ich der Arbeit geweiht
Jetzt lieg ich mit allen Dreien im Streit.
Das Jodwasser ist mir zwar gut bekommen,
Doch hab ich vom Wein zu viel genommen.
Die Arbeit war schwierig und brachte nichts ein.
Jetzt sitz ich feuchtfröhlich wieder beim Wein.

- Ein fünftes Plakat präsentiert ein gemaltes Herz mit der Aufschrift „Ich liebe Dich“. Auf ihm sieht man einen fröhlichen, mit Jacke und Hose bekleideten kleinen Spatz tanzend sagen:

Ich fühle mich wieder fidel wie ein Spatz
Die herzlichsten Grüße mein lieber Schatz.

(Gemeindearchiv Bad Wiessee)

- Ein sechstes Plakat führt einen in eine Badewanne steigenden Frosch mit Bauch vor. In dem beigegebenen Vers erfährt man, dass es sich um eine Wanne mit Jod-Schwefelwasser handelt, das einen wieder ganz schlank mache, wenn man häufig darin bade:

Willst Du schlank werden wie 'ne Tanne
Steig fleißig in die Jodbadwanne.

- Ein siebtes Plakat präsentiert einen Mann mit Glatze, Stock und demolierten Fuß, der zeitungslesend von einem Sofa rutscht. Das beigegebene Gedicht preist eine Jodkur als Jungbrunnen und das Allheilmittel:

Wenn Du die Jugend hinter Dir,
Und merkst dass Du wirst alt,
Dann nimm als Lebenselixier
Ne Jodkur recht bald.
Der Kalk in deinen Adern fest,
Der schwindet dann alsbald,
Mit ihm der letzte Krankheitsrest,
Du fühlst Dich nicht mehr alt.
Froh lachst Du die Philister aus.
Beim Klang des „Gaudeamus“
Schaust fröhlich in die Welt hinaus,
Singst: „Iterum bibamus“

- Auf einem achten Plakat sieht man einen enthusiastischen Bergsteiger auf einem Berggipfel, der die Worte spricht: Frohsinn-Kraft in meine Glieder / Beides gab mir Wiessee wieder.

- Auf einem neunten Plakat der Bilderreihe wird man von einem Dackel angeblickt, der eine Sektflasche entkorkt und dem Betrachter werbend mitteilt, wie gut es ihm doch wieder durch das Schwefelwasser gehe:

Jetzt bin ich wieder kerngesund
Und war doch ziemlich auf den Hund
Das dank ich nur dem Schwefelquell
Der in Wiessee sprudelt warm und hell.

Nach diesem ersten Abtauchen in die Vergangenheit des Jod-Schwefelbads begibt man sich jetzt in die Adrian-Stoop-Straße 37. Hier erfährt man, was passierte, als Adriaan Stoop 1909 nach Erdöl bohrte.

 


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Verfasst von: TELITO / Dr. Ingvild Richardsen

Externe Links:

Hotel Terrassenhof: Plakate und Bilder

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