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Fotografie November 1986 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

München, Sonnenstraße: Monaco Franze IV

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Hier in der Nähe der Sonnenstraße 20 bezieht Franz Münchinger sein Detektivbüro für Beobachtungen und Ermittlungen aller Art. (c) Peter Czoik

Nach seiner Entlassung aus dem Polizeidienst macht sich Franz Münchinger als Privatdetektiv mit Büro in der Sonnenstraße auf die Suche nach dem Ewig Weiblichen („Der ewige Stenz“, S. 37).

Franz Münchinger ist Frühpensionär geworden und verbringt seine freie Zeit u.a. in Waschsalons, wo er über seine Tätigkeit als Privatdetektiv berichtet – eine perfekte Strategie, um jüngere Frauen zu beeindrucken und so ihre Namen zu erfahren: „Jaja, das ist hochinteressant, Fräulein – wie war der Name! JUNGE FRAU. Anneliese. MONACO. Da gibts Sachen, Fräulein Anneliese, die wenn ich Ihnen erzähl, die täten Sie nicht für möglich halten...“ (Helmut Dietl; Patrick Süskind: Monaco Franze, S. 98)

Die Detektei selbst liegt in einem Geschäftshaus Stadtmitte, ein „großes Geschäftsschild aus Messing“ kündigt die Dienstleistung seines neuen Unternehmens an. Doch schnell wird klar, dass es Münchinger nicht so sehr ums eigentliche Ermitteln geht, sondern mehr darum, weiterhin Eindruck auf hübsche junge Frauen zu machen und sich Vorteile zu verschaffen, sei es auch nur, dass sie ihm (vor allem gegenüber anderen Frauen und Männern) den Rücken freihalten wie schon sein alter Freund Manni Kopfeck:

MONACO

Privatdetektei

Beobachtungen und Ermittlungen aller Art

Neben dem Schild ist ein Klingelknopf. Eine gepflegte Frauenhand drückt auf den Knopf. Der Türsummer summt.

Detektivbüro Monaco. Ein gutaussehendes Mädchen sitzt dem Monaco am Schreitisch gegenüber.

MONACO. ...Wissen Sie Fräulein, bei einem Privatdetektiv muß eine Sekretärin mehrere verschiedenste Voraussetzungen erfüllen. Das oberste Gebot ist natürlich: Diskretion. Absolute Verschwiegenheit gegenüber jedermann und jeder Frau natürlich auch...

(S. 101)

Für Ermittlungen hat er nicht zuletzt deshalb wenig Zeit, weil er selbst einer jener von ihren Partnerinnen (S. 103) und Partnern (S. 105) gesuchten Männer ist, die sich über Fasching die Zeit mit fremden Liebschaften vertreiben:

Auf verschiedenen Faschingsbällen. Der Monaco auf verschiedenen Bällen, mit den verschiedensten Frauen. Er tanzt, flirtet, schwitzt, geht hinaus in die Kälte im offenen Seeräuberhemd, fährt zur nächsten Veranstaltung, läuft hinein, schwitzt, tanzt, flirtet, hat bei allen Frauen Erfolg, fährt weiter.

(S. 106)

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

„Der ewige Stenz“. Helmut Dietl und sein München (Literaturhaus München HEFTE, 9). München 2016.

Helmut Dietl; Patrick Süskind: Monaco Franze. Der ewige Stenz. In der Originalfassung. Heyne, München 1984.


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