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13.08.2016
19 Uhr
Stadtbibliothek Nürnberg, Gewerbemuseumsplatz 4, Nürnberg
Eintritt: € 5
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WortWärts 2016: Sprachwandel – Motor der Erneuerung oder kultureller Verfall

Ich schwör: wir können Kanzler, isch geh Schule  und das alles in 2016. Das sogenannte Kiezdeutsch, die Sprache der Zuwanderer, hat mittlerweile ihre ursprünglichen Milieus verlassen. Von „Kurzdeutsch“ spricht die Berliner Autorin Diana Marossek, und bei der Recherche zu ihrem Buch Kommst du Bahnhof oder hast du Auto? hat sie entdeckt, dass längst schon Leute jeden Alters und aus allen gesellschaftlichen Schichten so reden. Mehr noch: Über Chatromane und Texte von Migranten beispielsweise hat das gewandelte Deutsch auch die so sprachreinen Gipfel der Literatur erklommen.

Manchem erschrockenen Sprachhüter mag dieser rapide Wandel der deutschen Sprache einer kulturellen Apokalypse gleichen, stachen doch bereits die zahlreichen Anglizismen der letzten Jahre schmerzhaft in die von fremden Einflüssen bedrohte, linguistische Seele. Der Verlust von Präpositionen, der Schwund regelkonformen Deklinierens – man mag und darf diese Entwicklung beklagen und betrauern. Zugleich aber zeigt die täglich gesprochene und geschriebene Wirklichkeit: Sprache ist und war schon immer ein Prozess, schon immer war sie stetem Wandel unterworfen. Kein gegenwärtiger Autor schreibt heute noch wie Thomas Mann, und die Sprache der weiter zurückliegenden Jahrhunderte ist oft nur noch mit Mühe zu verstehen. Gibt es daher das einzig wahre und richtige Deutsch (Englisch, Spanisch, Französisch …), oder ist und war es immer das flüchtige Abbild seiner momentanen Ausbildung?

Die Münchner Autorin Angelika Jodl unterrichtet Studenten aus aller Welt. Ihre Erfahrungen daraus flossen in ihren Roman Die Grammatik der Rennpferde ein. Bereits gut zwei Jahrhunderte vor ihr hatte auch Johann Wolfgang von Goethe den sich ständig ändernden Charakter der Sprache erkannt und benannt – bisweilen bissig gegenüber zeitgenössischen Sprachbewahrern. In seinem Gedicht Etymologie lässt er Mephistopheles lästern: „So wird erst nach und nach die Sprache festgerammelt. / Und was ein Volk zusammen sich gestammelt, / Muss ewiges Gesetz für Herz und Seele sein.“


Gäste auf dem WortWärts-Podium:
Angelika Jodl (Autorin, München, dtv-Verlag)
Diana Marossek (Autorin, Berlin, Hanser Verlag)
Moderation: Dirk Kruse



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