Radio / Film / Fernsehen
10.08.2013
21:03 Uhr
Bayern 2

BR-radioTexte: Ludwig Thomas letzter Roman, Teil 3

Vor 1914 ist er ein liberaler Bayer, manche sagen ein linker Satiriker, hoch gelobt von Tucholsky. Nach dem ersten Weltkrieg wird er zum ultrarechten Polemiker. Er liebt eine Jüdin und befeuert antisemitisches Denken. Und er legt Wert darauf, dass seine Tiraden anonym erscheinen – Ludwig Thoma ist und bleibt ein schwieriger Autor. Sein letzter Roman, Der Ruepp, erzählt von einem phrasendreschenden, charakterschwachen Bauern, der Haus und Hof herunterwirtschaftet und die Familie in die Armut treibt. Eigentlich hätte der Sohn Michael, der nicht Priester werden will, aber soll, von der alten Loni erben sollen. Aber sein Vater erschleicht sich die Erbschaft, verspielt sie, wird schließlich meineidig. Thoma schrieb den Ruepp 1921, in nur vier Monaten, kurz vor seinem Tod. Das Buch spiegelt die politische Misere, als die er die krisengeschüttelte Weimarer Republik empfindet, und gleichzeitig seine private Verbitterung. Mit all der Kraft und all der bayerischen Sprachgewalt, die so typisch Thoma sind.

Wolf Euba liest Ludwig Thomas letzten Roman. Moderation: Judith Heitkamp



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