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29.01.2018, 10:47 Uhr
Balkantage München
Spektakula
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Das Symbol der Balkantage ist die Balkanblume. Die Blütenblätter zeigen die einzelnen Landesfahnen, jede Kultur trägt dazu bei, dass der Balkan vielfältig und lebendig ist.

12. Balkantage in München vom 23. Februar bis zum 24. März

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Die Balkantage gestalten einen Ort für Begegnung, Inspiration, Kultur und Freude – heuer sogar über einen ganzen Monat: vom 23. Februar bis zum 24. März 2018. Die 12. Balkantage beleuchten mehrere Aspekte des „Traumlandes Deutschland". Diesmal präsentiert der Migrantenverein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. im Laufe eines Monats in München an 17 Tagen spannende und lebendige Events rund um den Balkan, seine Menschen und seine Kultur. Ob eine Ausstellung im Gasteig oder der traditionelle Balkanbasar im Kulturhaus Milbertshofen, die Balkanfilmtage, Konzerte, Diskussions- und Literaturveranstaltungen: Dialog und Begegnung zwischen Menschen verschiedener Herkunft und Religionen versprechen neue Entdeckungen und viel Spaß.

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Die Balkantage in München dienen der Förderung eines Dialogs zwischen den diversen Kulturen, Traditionen und Lebensweisen aller Länder auf der Balkanhalbinsel. Ein wichtiger Bestandteil ist die Begegnung und Zusammenführung von Menschen aus ehemals verfeindeten Balkanländern. Während der Veranstaltungsreihe präsentieren KünstlerInnen, Vereine und prominente Persönlichkeiten die kulturelle Vielfalt Südosteuropas anhand von Filmen, Ausstellungen, Literatur, Musik, Folklore und Diskussionsforen.

Initiator und Gestalter der Balkantage ist der Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“, der 1992 durch Sadija Klepo, eine geflüchtete Journalistin aus Bosnien, gegründet wurde und es seit 20 Jahren als seine Aufgabe sieht, die Menschen aus dem Balkanraum und anderen Regionen der Welt zusammenzubringen. Von Sadija Klepo stammen auch die Idee, Konzeption und Umsetzung der Münchner Balkantage.

Im Jahr 2018 jährt sich das Abkommen über die Gastarbeit zwischen Deutschland und Jugoslawien zum 50. Mal. Deshalb werden mit dem Thema Traumland Deutschland nicht nur das Jahr 1968, sondern auch die Folgen für die deutsche und für die jugoslawische Gesellschaft beleuchtet. Es wird über die vor den Toren der Europäischen Union verharrenden und unter massivem Braindrain leidenden Balkanländer gesprochen und über den Kosovo, den jüngsten Staat Europas, der zehn Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung immer noch nicht funktioniert. Als ein Leitmotiv wird sich auch die Problematik der Minderheiten, vor allem die Probleme der LGBT-Community, auf dem Balkan durch die Festivaltage ziehen.

Trotz aller Probleme ist der Balkan eine Region, die über einzigartige Landschaften, alte Kulturen und eine reiche Geschichte verfügt – neben den üblichen Touristenattraktionen. In zahlreichen Veranstaltungen werden die Seiten des Balkans gezeigt, die es noch zu entdecken und zu bewundern gilt. Zum Programm der Balkantage gehören wie jedes Jahr auch literarische Veranstaltungen:

 

 Möglichkeitsräume und -träume der Kulturen

25. Februar 2018, 15:00 Uhr

Evangelisches Gemeindehaus, Kaiser-Wilhelm-Straße 18, Starnberg

 

 

Lea Heib & Rainer Kaiserwald // Lindita Arapi // Afraa Batous © Orwa Al Mokdad

 

Am 25. Februar findet unter dem Titel „Möglichkeitsräume der Kulturen“ ein Balkantag in Starnberg statt drei Kulturen, drei Länder, drei Kunstbereiche.

Musik: „Eine musikalische Reise durch die wilden Schluchten des Balkan“ (frei nach Karl May): Lea Heib und Rainer „Kaiserwald“ (Akkordeon) interpretieren slawische Lieder des frühen 20. Jahrhunderts über Lebenskunst und Liebesleid, sogenannte „Starogradske pjesme“ – was so viel wie „alte Lieder“ heißt. Die Lieder, die in jener Zeit zwischen Vojvodina und Belgrad, zwischen Zagreb und Bosnien-Herzegowina (Leas Heimat) gesungen wurden, verschmolzen mit der Zeit mit österreichischer Kaffeehausmusik, orientalischer Poesie, russischer Schwermut und dem Feuer der ungarischen Nachbarn. Ergänzt wird das Repertoire durch Lieder und Chansons, die in Deutschland (Rainers Heimat) und Amerika zwischen den 1920er und 1960er Jahren entstanden.

Literatur: Die sinnliche Sprache der Autorin Lindita Arapi in ihrem ersten Roman Schlüsselmädchen geht tief unter die Haut. Sie gilt als eine der herausragenden zeitgenössischen Autorinnen Albaniens und gehört zum Kreis der literarischen Avantgarde, die sich in den 1990er Jahren in jenem Land an der Wasserscheide zwischen der Adria und dem Ionischen Meer herausbildete. Am Meer, nachts, ihre erste Gedichtsammlung auf Deutsch, ist auch die erste veröffentlichte Gedichtsammlung einer albanischen Dichterin in deutscher Sprache. Sie ist Übersetzerin und freie Redakteurin der Deutschen Welle, für die sie oft über Albanien berichtet.

Film: „Sie arbeitet mit ästhetischen Mitteln, die die äußeren wie inneren Konflikte in ihrer verstörenden Vielschichtigkeit zeigen, die Frage nach dem richtigen Handeln umkreisen und sich nicht in eindeutigen Antworten auflösen.“ Das schreibt die Jury des Hans und Lea Grundig Preises über den Film Skin von Afraa Batous, der syrischen Regisseurin aus Aleppo. Ihre Filmsprache ist wahrhaftig, intim und offen. Zu sehen gibt es ihre neueste Kurz-Doku über die Gründerin des Migrantenvereins Sadija Klepo. Im Anschluss werden Ausschnitte aus Afraas preisgekröntem Film Skin gezeigt und es wird ein Gespräch mit der Regisseurin ihr über das Leben zwischen Nürnberg und Aleppo geben.

Moderation: Elisabeth Carr und Denijen Pauljević

 

Literaturtag im Gasteig

4. März 2018, 14:00 Uhr

Raum 0.131, Gasteig, Rosenheimer Straße 5, München

 


Alida Bremer © Olivier Favre // Tijan Sila © Sven Paustian // Edo Popović © Jens Kalaene // Laurent Prokopić © Marija Prokopić

 

Zum großen Literaturtag im Gasteig am 4. März lesen Tijan Sila, Edo Popović und Alida Bremer aus ihren Werken, begleitet von Chansons von Loran Prokopić.

Alida Bremer studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Romanistik, Slavistik und Germanistik in Belgrad, Rom, Saarbrücken und Münster. Nach ihrer Promotion arbeitete sie als Lektorin an den Universitäten in Münster und Gießen. Sie leitete das Projekt „Kroatien als Schwerpunktland zur Leipziger Buchmesse 2008“ und den Schwerpunkt Südosteuropa, der von 2009 bis 2011 von der Robert-Bosch-Stiftung, TRADUKI und der Leipziger Buchmesse veranstaltet wurde. Alida Bremer ist Herausgeberin mehrerer deutschsprachiger Anthologien kroatischer Literatur und Übersetzerin zahlreicher Werke aus dem Kroatischen, Serbischen und Bosnischen.

Tijan Sila kam 1981 in Sarajevo zur Welt und emigrierte 1994 mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Germanistik und Anglistik in Heidelberg. Heute lebt er in Kaiserslautern, wo er als Lehrer an einer Berufsschule arbeitet.Tierchen unlimited ist sein erster Roman.

Edo Popović war Mitbegründer von Quorum, einer der wichtigsten Literaturzeitschriften des ehemaligen Jugoslawiens. Sein erster Roman Mitternachtsboogie (1987) beschrieb die Zagreber Jugend der 1980er. Es wurde ähnlich wie Douglas Copelands Generation X zum Kultbuch in Kroatien. 1991–1995 wurde Popović zum bekanntesten Kriegsberichterstatter Kroatiens. Seine an Fakten orientierten und unideologischen Reportagen waren genauso angesehen wie gefürchtet. Nachdem Popovićs deutsche Übersetzungen ausschließlich bei Voland und Quist verlegt wurden, veröffentlichte der Verlag Luchterhand 2012 den Roman Der Aufstand der Ungenießbaren. Popovićs Protagonisten bewegen sich fast ausschließlich im Zagreber Raum und er spart in seinen Werken nicht an Gesellschaftskritik.

Laurent Prokopić, geboren in Paris, kommt nach ein paar Jahren mit seinen Eltern nach Jugoslawien. Seit 30 Jahren arbeitet und lebt er in Paris und Novi Sad und tritt als Schauspieler und Sänger auf, mit einem Repertoire, das französisches Chanson, amerikanisches Evergreen und Balladen des ehemaligen Jugoslawiens umfasst.

Moderation: Denijen Pauljević

 

 

 

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Hilfe von Mensch zu Mensch ist nicht nur der Name für einen humanitären Verein, sondern ein Programm für Menschlichkeit, Nächstenliebe und Toleranz für andere Menschen, ganz gleich in welchen Lebensumständen sie sich befinden. In seiner 25-jährigen Geschichte hat sich der Verein von einer Hilfsinitiative für bosnische Flüchtlinge zu einer über die Grenzen Europas hinaus reichenden humanitären Organisation entwickelt. Was 1992 mit Spendenaufrufen und Hilfstransporten begann, ist heute ein vielfältiges und weit verzweigtes Netzwerk mit Aktivitäten für Kinder, Jugendliche, Familien und ältere Menschen.


Externe Links:

Balkantage 2018

Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.


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