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28.06.2016, 11:31 Uhr
Literaturlandschaften e.V.
Betriebsgeflüster
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Heinz Kleinert © Isergebirgs Museum Neugablonz

Literaturlandschaften e.V. und der Freundeskreis Sophie La Roche e.V. ehren den Dichter mit einer Rose

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Jedes Jahr am ersten Juni-Wochenende ehrt der deutschlandweit tätige Verein Literaturlandschaften e.V. Dichtergräber mit einem Rosentag. 2016 war es Samstag, der 4. Juni, an dem alle Literaturfreunde landauf und landab einladen waren, sich mit einer Rose in der Hand an einen Dichterort aufzumachen, um die Erinnerung durch die Blume sprechen zu lassen. 

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Die diesjährige Erinnerung im Rahmen des Rosengedenkens wurde in Kaufbeuren dem sudetendeutschen Dichter Heinz Kleinert, der im Jahr 2003 im Alter von 76 Jahren verstarb, gewidmet.

Zu Beginn des Rosengedenkens im Städtischen Waldfriedhof Kaufbeuren begrüßte Helga Ilgenfritz, Vorsitzende des veranstaltenden Freundeskreises Sophie La Roche e.V., die Teilnehmer und vermittelte dabei einige „Splitter“ aus der Biographie des Dichters und Heimatkundlers Heinz Kleinert:

Heinz Kleinert, der weit über die Grenzen seiner neuen Heimat und der Allgäuer Region hinaus bekannt und geschätzt wurde, war ein Mundartdichter, der seine Texte mit sehr viel Feingeist, ebenso mit Witz und Humor, aber auch mit besinnlichen und nachdenklichen Inhalten versah. Seine Verse greifen dabei oft Themen aus dem Alltag auf oder sie befassen sich intensiv mit dem sudetendeutschen Brauchtum. Heinz Kleinert leitete viele Jahre die Sammlung im Gablonzer Archiv- und Museumsverein e.V., um damit auch  den Grundstein für das heutige, überaus eindrucksvolle Isergebirgsmuseum in Neugablonz  zu legen. Neben vielen Auszeichnungen, die Heinz Kleinert verliehen bekam, war er u.a. auch Träger des Kulturpreises der Stadt Kaufbeuren und des Bundesverdienstkreuzes. Immer wieder verfasste er auch Mundart-Kolumnen für die Allgäuer Zeitung Kaufbeuren.

        

Helga Ilgenfritz bei der Begrüßung der Teilnehmer; Ingrid Zasche und Helmut Steffan vom Mundartkreis Neugablonz lasen Texte von Heinz Kleinert vor dessen Grabstelle; Niederlegung der Rosen © Freundeskreis Sophie La Roche e.V.

Ingrid Zasche, die Leiterin des Mundartkreises Neugablonz, hatte für das Rosengedenken am Grab des Schriftstellers zusammen mit Helmut Steffan vom Mundartkreis einige bekannte und typische Texte von Heinz Kleinert ausgewählt und vor dessen Grabstelle im Waldfriedhof vorgetragen. Der Abschluss der literarischen Erinnerung, an der auch die  Witwe und der Sohn von Heinz Kleinert teilnahmen, bildete die Niederlegung der Rosen.

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Claire Goll – Es werden die Klagerosen kommen

Es werden die Klagerosen kommen
In ihren durchnäßten Shawls,
Die Jungfrauen unter den Rosen
Mit den wächsernen Wangen, immer in Weiß.
Die kleinen Moosrosen, Dorfmädchen mit Sommersprossen,
Die die Baumschule schwänzen,
Die fröstelnden Waisen
Mit ihrem Vormund aus Bambus,
Und die alten Rosen krankend
Am Schanker des Rosenstocks:
Es werden die Rosen aller Maimonate kommen,
Die Heckenrosen, Rosen des Volks,
Und die mondänen Rosen der Schlösser,
Die billigen Bastardrosen,
Die Prinzessinnen aus Bengalien,
Die Töchter des Hafis,
Und du, erste Rose aus der Hand des Geliebten,
Konkurrentin der himmlischen Rose!
Alle Rosen der Welt
Werden auf unserem Grabe weinen.

 

Sei Gout gedankt

S Labn hölt, wenn mr sich s ibrleht,
su moiches fejl; s brengt Frejde uns und Glöcke,
und s brengt ou Lejd und Kummr, doß s langt.
Und doch sei Gout gedankt
för jede Stunde, die a uns geschankt
und die a noch ei unse Hände leht,
ob mr nu lajchte oder schwer dro treht.
Und wenn uns dann de letzte Stunde schleht,
leht olles mr ei seine Hand zoröcke.

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Literaturlandschaften e.V. setzt sich für den Erhalt und die Pflege deutscher Literaturstätten ein und arbeitet dabei mit Kommunen und allen Institutionen zusammen, in deren Zuständigkeitsbereich sich literaturgeschichtlich bedeutsame Stätten und Bezugspunkte befinden. Eines seiner vorrangigen Ziele ist es, das Interesse junger Menschen für die Literatur zu wecken.


Externe Links:

Zur Erinnerung an Heinz Kleinert

Literaturlandschaften e.V.


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