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20.05.2013, 12:41 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [161]: Kleiner Exkurs über Ulrich Bräker

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Nicht die drei von der Tankstelle, sondern drei gemeine, preußische Soldaten, wie sie 1785 auftraten – dreißig Jahre, nachdem Ulrich Bräker seine Erfahrungen mit dem preußischen Militär gemacht hatte, das 1791 in die ehemalige Markgrafschaft Bayreuth einrückte, wo Jean Paul seinen ersten Roman schrieb.

Jean Paul, der Individualist, muss sich auch als Kritiker des einförmigen Militärs betätigen: der Marschtritt macht's, dieses lärmgewordene Symbol der Unfreiheit. Wer denkt da nicht an Ulrich Bräkers unvergleichliche Lebensgeschichte und natürliche Abenteuer des Armen Mannes im Tockenburg? Für die, die Bräkers Autobiographie nicht kennen: Darin beschreibt er seine Zeit beim preußischen Militär, in das er hineingepresst wurde, bevor er desertierte.

Nicht nur Gustav – auch er war unglücklich beim Militär: der Schweizer Schriftsteller und Selbstdenker Ulrich Bräker.

1756 war das, es liegt, als Jean Paul die Unsichtbare Loge schreibt, schon ein paar Jahre zurück, vielleicht hat sich inzwischen im Heer einiges geändert – aber der Marschtritt ist gleich geblieben. Bräker war eine ungewöhnliche Persönlichkeit: ein Schweizer, der als Autodidakt zum Schreiben kam, seine Erfahrungen genau notierte und sich später interessante Gedanken über die Schauspiele des Mannes machte, den man „Shakespeare“ zu nennen pflegt. Jean Paul müsste ihn, den Selbstdenker, geschätzt haben, zumal er selbst sich Gedanken machte über den Kommandoton, der noch beim Sammelgebet herrscht. Er bezeichnet das als „Kirchenparade“, in der der Offizier „die Seelen zu Gott kommandiert, die er sonst zum Teufel gehen heißt“.

Präziser kann man den wahnsinnigen Widerspruch zwischen Kriegs- und Kirchendienst nicht darstellen.



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