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30.03.2013, 13:55 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [114]: Fragen über Fragen

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Der trickster Loki, ein Gott des isländischen Mythos – hier zu sehen in einer Illustration des 17. Jahrhunderts.

Ist die Satire, die der Dr. Fenk in einem weiteren Zeitungsartikel (Nro. 21) dem Kommerzienagenten Röper widmet, nicht ein Wagstück des Mythos´? Birgt dieser „unvollkommene Charakter“ – weil er unvollkommen und zugleich Charakter ist – nicht die Gesamtheit eines Typus´, der purer Mythos ist – wenn nicht gar Märchen? Und weiß man nicht, dass manch Märchen auf mythischen Grundlagen basiert? Ist der Dr. Fenk nicht, in seiner ganzen Ab-Artigkeit, die ihn für satirische Zustutzungen geradezu prädestiniert, eine mythologische Figur ersten Ranges? Eine Art imperfekter Trickster? Wie der Loge des isländischen Mythos oder manch bösartiger Schakal westlicher Traditionen? Ist diese mythologische Figur nicht, wie alle mythologischen Figuren, zusammengesetzt aus „Lob und Zote und Wahrheit und Lüge“? Sind seine Taten, die – gleich denen des Herkules – schon im Kindesalter bezeugt sind, nicht die Taten eines Antihelden, die umso monströser wirken, je mehr wir sie mit dem Maßstab des gewöhnlich Antimythischen betrachten? Ist nicht auch der verwandte Kasperl, der Arlecchino eine Gestalt, die auf uralter mythologischer „Erzählung“ (eine unnötige Doppelung: denn „Mythos“ bedeutet „Erzählung“ und „Rede“) basiert? Sind nicht auch die Figuren der Unsichtbaren Loge größer als das, was sie treiben, denken und fühlen?



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