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21.03.2013, 23:55 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [111]: 64 nussschalenhafte Ausschnitte und andere glückliche Verbesserungen

Frühlingsanfang.

Wie man sieht.

Und in der Loge lesen kann:

Endlich der kindliche Frühling mit seinem weißen Kirchenschmuck von Blüten, der wie ein Kind Blumen und Blütenkelche um den erhabenen Geist herumlegt:

Auf die Ebene hatte sich der junge Zugvogel, der Frühling, gelagert –

 – und seine abgeladnen Schätze von Blumen lagen über die Wiesen hingeschüttet und schwammen die Bäche hinab –

– und die Vögel wurden an langen Sonnenstrahlen aufgezogen –

– und die geflügelte Welt hing taumelnd im ausgegoßnen Wohlgeruch.

 

Extrabriefchen zu

Jean Pauls 250. Geburtstag

Er wird heute reichlichst gefeiert, die Termine jagen sich, vor allem natürlich in Oberfranken, zentral in Bayreuth, wo vormittags das von Dr. Piontek (wie die Bayreuther ihn zärtlich zu nennen pflegen) kuratierte und von Florian Raff entworfene Jean-Paul-Museum wieder eröffnet wird. Es wurde hohe Zeit – für eine Neukonzeption. Vorher nämlich konnte man kein einziges Wort des Dichters Jean Paul hier entdecken (es sei denn, man nähme die schönen Briefe als Werke der Dichtkunst wahr). Nun aber ist es möglich: in jedem einzelnen Buch des Autors ein oder mehrere Zitate zu lesen. In vier Werk- bzw. Zitatvitrinen haben wir 64 nussschalenhafte Ausschnitte aus sämtlichen, chronologisch geordneten Büchern des Dichters platziert, daher man hier auch einige Sätze aus der Unsichtbaren Loge entdecken kann. Der dazugehörige Begriff lautet: Jahreszeiten.

Eine der ersten Museumsbesucherinnen und Leserinnen eines interessanten Zitats, angereist gar aus Italien, wo der Dichter niemals war – zumindest nicht körperlich.

Wieso nur stellen sie, auch in Bayreuther Antiquariaten, immer „nur“ (bisweilen vor einem Picassokopf) den Siebenkäs aus?? Ganz einfach: Weil es keine moderne Einzelausgabe der Unsichtbaren Loge im aktuellen Buchhandel gibt.

Am Ende des Kampfjubel- oder des Jubelkampftages hilft nur noch eines: eine Flasche Jean-Paul-Tropfen oder Jubiläumslikör. (Fotos: Frank Piontek, 21.3. 2013)



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