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05.02.2013, 12:38 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [83]: Keine Erläuterung, nirgends

Es gibt einige Bücher zum Thema „Jean Paul als Winkelschulhalter“ oder „Der Pädagoge Jean Paul“. Als ich gestern in der Universitätsbibliothek stöbere, schaue ich sie mir – nicht an; ich möchte in meinen Betrachtungen frei bleiben – aber ich nehme die große Ausgabe der Unsichtbaren Loge in die Hand, die 1981 bei Text und Kritik erschien, die den Text der Erstausgabe von 1793 und die Varianten der Ausgabe von 1826 enthält, auch Erläuterungen, Anmerkungen und ein Register – und nicht zu Unrecht in einer Rezension des Jean-Paul-Jahrbuchs kritisiert wurde. Zwar kann ich hier Hunderte von zeitgenössischen Lexikonartikeln nachlesen, die sich auf viele heute kryptische und völlig klare Stellen beziehen, auch kurze Sacherläuterungen des Herausgebers – aber als ich die Probe aufs Exempel mache und nachschaue, was wohl „kombrisch“ bedeutet – ein Begriff, an dem ich vor einigen Wochen lange herumgerätselt habe, ohne ihn auflösen zu können –, verlässt mich auch der Anmerkungsapparat. Keine Erläuterung, nirgends.

„Was Herrn Schröckh anlangt, der noch ehrliche Gelehrtenhistorie und reine Waisenhaus-Moral mit beigeschaltet, so schneiden Sie mir, Herr Hofmeister, nur nicht aus seinem Buche die Kupferblätter mit heraus, und am englischen Einband ist mir auch gelegen“, bat der Winkelschulhalter Jean Paul im Jahre 1791 – auch um seinen unvergessenen pädagogischen Kollegen zu ehren.

Es macht allerdings schon Spaß, bei Jean Paul nur Namen zu lesen, auch nicht erfundene Namen. Schröckh und Feddersen, das sind so welche. Johann Matthias Schröckh schrieb nicht nur eine Allgemeine Weltgeschichte für Kinder, auch eine Christliche Kirchengeschichte in 45 Bänden, die zwischen 1768 und 1812 erschien; noch vier Jahre nach seinem Tod wurde der letzte Band publiziert[1]. Jakob Friedrich Feddersen schrieb auch für die Kleinen. Der Dichter erwähnt die Kupferstiche Schröckhs und den „elenden Stil“ Feddersens; ich suche die Stiche und finde immerhin einen, auch sein schönes Bild, denn der teure Mann wurde in der Freundschaftsgalerie des Gleimhauses zu Halberstadt verewigt – gleich beim jungen, mageren Winkelschulhalter Jean Paul.



[1] Es gibt auch heute noch derartige Langzeit-Oneman-Projekte: Gestern erfahre ich von der Vertreterin des Rowohlt-Verlags, dass Karlheinz Deschner tatsächlich das Manuskript des zehnten und letzten Bandes seiner monumentalen Kriminalgeschichte des Christentums abgegeben hat, deren erster Band vor sage und schreibe 26 Jahren herauskam. Wir Kleingläubige haben nicht mehr daran geglaubt, haben an Deschners Alterskräften kurzfristig gezweifelt und für ihn und sein Projekt gebetet. Hosiannah! Gelobt sei der Herr!!



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