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15.01.2013, 10:29 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [70]: Geldwerte Träumereien vom Kadettenhaus

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Das Scheerauer Kadettenhaus war gewiss nicht so groß wie das 1776 bis 1779 erbaute Neue Kadettenhaus in Berlin – aber ein Kadettenhaus ist ein Kadettenhaus.

Der neue Fürst ist freundlich, aber unverbindlich. Der Plan des Rittmeisters, sein Geld wieder einzutreiben, geht nicht auf; stattdessen verspricht der neue Regent, der Manieren gelernt hat und sie noch beherrscht – „mit einem vielblätterigen Faltenwurf im lahmgespannten Gesicht, mit einer Gefälligkeit, die weder verweigert noch hält“ – dem Rittmeister, seinen Sohn später für 13.000 Reichstaler abzukaufen, wenn der einmal die Kadettenschule besuchen könne. Jean Paul beschreibt das Desinteresse des Fürsten so subtil, dass die zeitgenössische Zensur vielleicht Probleme hätte, hinter der Freundlichkeit dieser Charakterisierung die Unverschämtheit eines Untertanen zu sehen, dem das Desinteresse an den Menschen schon schlimm genug erscheint. Immerhin bescheinigt er Gustav „air de reveur“, die „Art eines Träumers“.

Fragt sich nur, was aus dieser Art in einem Kadettenhaus werden soll, und sei es auch das beste (für das es der ob des einstigen Geldsegens begeisterungstrunkene Vater hält).



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