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21.12.2018
20 Uhr
Hofspielhaus, Falkenturmstr. 8, München
Eintritt: € 19/14
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Der Briefwechsel von Anton Tschechow mit Olga Knipper

Du Krokodil meiner Seele lautet der Titel eines Leseabends, einer liebevollen Zusammenstellung aus dem Briefwechsel zwischen Anton Tschechow und der Schauspielerin Olga Knipper, seiner späteren Frau. Was um 1898 als zärtlich freche Plänkelei begann, wurde schnell zu einer innigen und leidenschaftlichen Liebesbeziehung, allerdings überschattet von Tschechows Krankheit und der häufigen Trennung wegen seiner Kuraufenthalte in wärmeren Gegenden.

„Liebe Schauspielerin, vergessen sie den Schriftsteller nicht, sonst gehe ich ins Wasser oder ich heirate einen Tausendfüßler“, schreibt Tschechow am Anfang des Brief-Flirts aus Jalta nach Moskau. „Ach du mein Zukunftsmensch“, schreibt sie ihm schon bald, schickt aber auch ein Rezept gegen Haarausfall oder den Rat „trink Kefir und iss tüchtig“. „Meine rothaarige Hündin“, nennt er sie und schreibt: „Du meine Kluge, wenn wir noch fünf Jährchen miteinander haben könnten“ Per Brief lässt er ihr die Regieanweisungen für die Aufführungen seiner Stücke zukommen. „Wenn ihr den dritten Akt verhunzt, ist das Stück durchgefallen.“ Aber, nein, sie jubelt: „Ganz Moskau spricht einzig und allein über die drei Schwestern.“

Der erste, der über Anton Tschechow sagte, er sei ein Dichter von großer Bedeutung war Lew Tolstoi in Moskau, als er von dessen Tode Kenntnis erhielt. Tschechow starb am 15. Juli 1904 in Badenweiler an Tuberkulose, er war 44 Jahre alt geworden. Heute gehört er längst in die Reihe der großen Klassiker wir Puschkin, Gogol und Dostojewsky. Er war ein unvergleichbarer Künstler, weil sein Werk nicht nur für jeden Russen, sondern für jeden Menschen überhaupt, verständlich erlebbar ist. Er hinterließ 600 Werke, u.a. Onkel Wanja, Die Möwe, Die drei Schwestern, Der Kirschgarten.

Tschechow war ausgebildeter Arzt, seine Stoffe bezog er aus diesem Beruf, der ihm Einblicke in das tägliche Leben und in menschliche Schicksale gab. Er kam aus ärmlichen Verhältnissen und besonders am Anfang seiner Karriere schrieb er hunderte Texte um den drängenden finanziellen Problemen zu entgehen.

Olga Leonardowna Knipper. geboren 1868 in Glasgow, gestorben 1959 in Moskau.

Sie gehörte zu den ersten Mitgliedern des Moskauer Künstlertheaters, das von Konstantin Stanislawsky gegründet wurde. Er war Begründer der Stanislawsky-Methode, die besagte, dass man der Rolle ein ganzes Leben geben sollte und aus einer Situation heraus auf die Bühne treten sollte. Das „Actors Art Studio“ in New York lehrt heute noch nach dieser Methode. Die Knipper war die erste „ Arkandina in der Möwe“, die „Mascha in den Drei Schwestern“ und die „ Madame Ranewkaja im Kirschgarten“ spielte sie in 300 Aufführungen.

1901 heiratete sie mit 30 Jahren Tschechow, er war 38 Jahre alt. Nur fünf gemeinsame Jahre blieben ihnen.

Anfang Juni 1904 fuhr der Schwerkranke Tschechow von  Moskau über Berlin nach Badenweiler wo er am 22. Juni eintraf. Er nahm Quartier im Hotel Sommer wo er am 15 Juli um 3 Uhr Morgens verstarb. Ob er tatsächlich statt einer Sauerstoffflasche, die der herbeigerufene Arzt kommen lassen wollte, nach Champagner verlangt hat?  Seine Frau, Olga Knipper hat es in ihren Erinnerungen so beschrieben. Und sah der Vierzigjährige, der " mit seinem gelblichen, runzligen Gesicht einem betagten Mongolen glich" wie sein Freund, der Schriftsteller Bonin schrieb, auf dem Totenbett wirklich wieder wie ein Jüngling aus? Gerade einmal drei Wochen hat Tschechow in Badenweiler verbracht. Was hat er in dieser Zeit getan? Er las viel Zeitungen, genoss die warmen Tage im Garten und beobachtete das Kleinstadtleben mit größtem Interesse. Einem Freund hat er vor seiner Abreise nach Deutschland gesagt, "Ich fahre um zu sterben". An seine Schwester Maria schreibt er: " Ich lebe unter den Deutschen, habe mich bereits an mein Zimmer und die Lebensweise gewöhnt, kann mich aber an die deutsche Stille und Ruhe einfach nicht gewöhnen. Im Haus und außer Haus hört man keinen Ton, nur um 7 Uhr abends und mittags spielt im Park Musik, reich, aber sehr unbegabt. Man verspürt keinen einzigen Funken Talent, in nichts, keinen einzigen Funken Geschmack, aber dafür Ornung und Ehrlichkeit im Überfluß. Unser russisches Leben hat weit mehr Talent, ganz zu schweigen vom italienischen und französischen. Tschechows letzte Worte sollen dem Champagner gegolten haben, seine vorletzten hat er auf Deutsch geäußert, obwohl er kaum Deutsch konnte. Sie lauteten:"Ich sterbe".



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