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19.08.2014, 10:50 Uhr
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Redaktionsblog

Literaturfest WortWärts 2014: Lesebühne am Sonntag

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Bereits zum neunten Mal jährte sich am vergangenen Sonntag in Nürnberg das Literaturfest WortWärts: In der ungezwungenen Hinterhofatmosphäre des Literaturzentrums Nord des KUNO e.V. präsentierten insgesamt acht ausgezeichnete Autorinnen und Autoren aus der Region sowie aus südlichen und nördlichen Gefilden ihre aktuellen literarischen Werke.

Eingeleitet wurde das Festival bereits am Vorabend mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Reiseliteratur zwischen Goethe und Reise-App – und auch in den einleitenden Worten zur WortWärts-Lesebühne stand der enge Zusammenhang von Reisen und Lesen erneut im Mittelpunkt: Reisen sei „Lesen im Kopf“ und Lesen als Reisen wiederum „nicht kalkulierbar“, es erweitere den eigenen Horizont ebenso wie das Reisen selbst.

Auch bei Matthias Kröner, dem ersten Autor auf der Lesebühne, spielte Reiseliteratur eine wichtige Rolle. Der gebürtige Nürnberger ist ein alter Bekannter bei dem jährlichen Lesespektakel unter freiem Himmel und war bereits mit der Autorengruppe Mundpropaganda zu Gast, zuletzt 2013. Obwohl es den Autor, Journalisten, Redakteur und Kolumnisten mittlerweile in den Norden Deutschlands nach Lübeck verschlagen hat, gab er im Gespräch mit Siegfried Straßner, dem Organisator des Festivals, zu, dass er sich nach wie vor in der fränkischen Literaturlandschaft verwurzelt fühle.

 

Matthias Kröner und Ulrike Sosnitza. Fotos: Literaturportal Bayern

Neben seiner journalistischen Tätigkeit und dem Verfassen von Reiseführern sind es vor allem die „schönen Bücher“, die den Franken reizen. Sein neues Werk ist der Erzählband Junger Hund – Ausbrüche und Revolten (Stories & Friends), eine Sammlung von 33 Kurz- und Kürzestgeschichten, aus welcher er einige Texte wie die Titelgeschichte „Junger Hund“, Miniaturen wie „Badezimmer“ oder parodistische Fassungen wie „I love myself and I want to live“, zum Besten gab. Die Geschichten spiegeln groteske Situationen wider, Horrorszenarien, extreme Gefühle und Tabulosigkeiten, die in keine Klischees passen. Matthias Kröner will Situationen schaffen, die vom Alltag abheben, und von Menschen berichten, die in Grenzsituationen geraten sind. Dabei reizt es ihn zuzuspitzen. Ein Vorsatz, auf den man auch in seinem neuesten Projekt gespannt sein darf, das, wie Kröner verriet, mit Gedichten für Menschen zu tun hat, die Gedichte hassen.

Zwar nicht in Franken geboren, jedoch mittlerweile als Sprecherin des Autorenkreises Würzburg mindestens genau so tief literarisch in der Region verwurzelt, ist die Autorin Ulrike Sosnitza, die ihren Debütroman Ein Klick zuviel (Königshausen & Neumann) dem Lesepublikum vorstellte. Darin widmet sie sich Problemen, die sie selbst als Autorin kennt, handelt er doch von Schreibblockaden und davon, was es heißt, sich als Schreibende/r mit den Chancen und Gefahren des World Wide Web auseinander zu setzen. Der Roman um die beiden Protagonistinnen Emmy, „die letzte Hausfrau des neuen Jahrtausends“, und die schreibende obdachlose Mere, ist aber nicht nur ein Roman über das Romanschreiben, sondern auch eine Literaturbetriebs- und Gesellschaftssatire sowie bitterböse Kriminalkomödie. Sosnitza hat für ihr Projekt ein Jahr lang eine Online-Roman-Werkstatt besucht. Solche Neuentwicklungen auf dem Markt sieht sie durchaus positiv.

Neben einigen Romanausschnitten las sie abschließend noch ihren Text Ohne Worte vor, der in der parallel zum Literaturfest herausgegebenen Zeitschrift Wortlaut erschienen ist. In der aktuellen Nummer 20 befinden sich unter anderem die Gewinnertexte der diesjährigen PreisträgerInnen des 26. Literaturpreises der Nürnberger Kulturläden, von denen der erste Preisträger Lukas Spranger und die Drittplatzierte Katharina Robitzka ebenfalls live zu Gast waren, um aus ihren von der Jury ausgezeichneten Werken zu lesen.

Als weitere SchiftstellerInnen sorgten die Schweizerin Judith Arlt mit ihrem Roman Die Welt war schneller als die Worte (Achter Verlag), Horst Prosch mit seinem Krimi Blaue Bäume (ars vivendi), Silke Scheuermann und ihr Roman Die Häuser der anderen (Schöffling & Co.) sowie Rolf-Bernhard Essig für ein unterhaltsames Leseprogramm. Letzterer stand nicht nur mit seinem jüngsten Werk Die Kunst, Wasser zu fegen (Ch. Schroer) auf der Lesebühne, sondern brachte mit einem „Sprichwortberatungsstand“ diejenigen Zuschauer, die nicht nur den Vortragenden auf der Bühne zuhören mochten, zum Staunen und Schmunzeln. So konnte man zum Beispiel die Äsop-Fabel zum Sprichwort „Man soll sich nicht mit fremden Federn schmücken“ hören oder mit Wachstafel und Griffel „Tabula rasa“ machen.

 

Rolf-Bernhard Essig am Stand. Veranstalter Siegfried Straßner stellt die beiden Literaturpreisgewinner Katharina Robitzka und Lukas Spranger vor. Fotos: Literaturportal Bayern

Neben dem vielseitigen Leseprogramm war auch darüber hinaus einiges geboten. Das Literaturcafé sorgte für leibliches Wohl und lud zum Kaffeeplausch mit den Autorinnen und Autoren ein. Am Bücherstand der Buchhandlung Weidinger konnte man schmökern und die beeindruckenden Druckerzeugnisse mittels Handsatz, Handbindung und Originalgraphiken der schPeZi-Presse bewundern. Noch bis zum 24. August 2014 sind außerdem bei der WortWärts-Sonderausstellung „Rehearsal with Interior“ die Arbeiten des Graphikkünstlers Michael Jordan im Galeriehaus zu sehen.

Kurzum: Ein tolles Programm mit hochkarätigen AutorInnen, das für jeden etwas zu bieten hatte. Und nicht zuletzt war es einem gnädigen Wettergott zu verdanken, dass das Nürnberger Lesefestival ein voller Erfolg wurde.



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