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14.05.2014, 15:13 Uhr
Frank Piontek
Logen-Blog
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [410]: Abschied vom König

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Am letzten Tag nimmt er noch einmal Abschied vom König. Er geht in den Innenhof des Königsbaus, von wo aus man einen schönen Blick auf den Platz hat, auf dem ER thront – nicht zu seinem Vergnügen, denn der König mochte diese Idee nicht: auf ewig in Erz gegossen seinem Volke sitzend zu erscheinen. Dabei macht er doch, denn Christian Daniel Rauch hat ihn modelliert, eine gute Figur – auch von der Seite.

Allein sein Schimpfen und Schmähen über Bayern, da ihm doch der König großmütigerweise die 1000 Gulden Pension gibt, da finde ich es undankbar, hatte Henriette von Knebel nur zwei Jahre zuvor an ihren Onkel geschrieben.

Aber der König ist nun ein Denkmal. Was soll er da sagen, im Angesicht des Herrschers, ja: des Initiators der Bayerischen Verfassung? Die väterliche Regierung des Königs von Bayern rühmte er sehr und sah ihn als einen besonderen Segen für das Land an, wie Malla Montgomery-Silfverstolpe noch kurz vor Jean Pauls irdischem Dahinscheiden festhält. Er mochte dabei an die Worte denken, die er in den Politischen Fastenpredigten betreffs der Deutschen Fürstenliebe fixiert hatte:

Wer kann nun den Gemeingeist in einer Monarchie wecken und stählen und befestigen? Nur einer, welcher, so weit auch seine physische Vielmacht reiche, doch noch über eine größere moralische gebietet, der Fürst selber. Wie sich vor dem Jüngling Tugend und Weisheit in einen Tugend- und Weisheitlehrer verkörpern, wie ihm dadurch das Göttliche zu einem persönlichen Gotte wird: so verdichtet und verkörpert sich vor dem Volke das Vaterland oder die Idee, welche begeistert, in seinen Fürsten, wenn dieser den heiligen Vorzug, dass Wohlwollen, Einsicht, Kraft, Tapferkeit auf der magischen Thronhöhe mit einem verdoppelten allmächtigen Glanz herunterwirken und mit Sonnenfeuer ganze Frühlinge befruchten, nach Gewissen und Vermögen anwendet.

Einen solchen weitoffnen, gutmüthigen König hab ich mir nie gedacht, schrieb er am 13. Juni 1820 an Karoline. Zunächst ist er auch begeistert von der Lockerheit des königlichen Umgangs: Du dachtest dir überhaupt die Umgänglichkeit mit einem königlichen Hofe zu sehr nach dem Maßstabe der kleinen Höfe. Erinnerte er sich da auch an den kleinen Scheerauer Hof, an die geistig-moralische Enge des Duodezfürstentümchens, das er einst erfunden – und nach einer erdichteten Wirklichkeit modelliert hatte?

Fotos: Frank Piontek, 26.4. 2013



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