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06.08.2010, 15:07 Uhr
Peter Czoik
Redaktionsblog

Zu Unrecht vergessen – der Schriftsteller Korfiz Holm

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Schriftprobe von Korfiz Holm, 1936.

Korfiz Holm ist einer der – wie Johannes von Guenther oder Rolf von Hoerschelmann – ‚großen‘ Unbekannten der Schwabinger Boheme um 1900 geblieben. Erwähnt man seinen Namen, denkt man in erster Linie an seine Tätigkeit als Lektor und Verleger des Albert Langen Verlags sowie an seine zahlreichen, zum Teil großartigen Übersetzungen von Werken der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts.[1] Erinnern mag man sich an die autobiografische Schrift ich – kleingeschrieben, in der Holm anschaulich und mit einer Prise Ironie die ‚goldenen Jahre‘ des Simplicissimus und des Langen Verlags beschreibt.

Weniger bekannt hingegen sind seine literarischen Äußerungen als Lyriker, Dramatiker oder auch Erzähler. Immerhin: in einem Gräfelfinger Antiquariat werden zur Zeit 22 handschriftliche, von Korfiz Holm in den Jahren 1888-1890 in Riga verfasste Gedichte angeboten, zu einem stattlichen Preis von bis zu 2280 EUR!

Holm selber hat seine schriftstellerische Tätigkeit entsprechend selbstironisch zusammengefasst: „Ich gebe aber zu, daß ich mit meiner Verlegertätigkeit der Dichtkunst größere Dienste geleistet haben dürfte als mit meiner Schriftstellerei.“[2] Mit Sicherheit kann man dem beipflichten. Dennoch sind es gerade die Novellen und größeren Romane, die zur Wieder-Lektüre einladen, geben sie doch ein Bild der damaligen Zeit an heimatlichen Orten wieder und stecken sie (wie schon ich - kleingeschrieben) voller „liebevoll“-satirischer[3] Porträts zeitgenössischer literarischer Persönlichkeiten.

Im Roman Die Tochter (1911) beispielsweise, einer tragisch-psychologischen Studie über ein Mädchen, das aus der Obhut seines Vaters ausbrechen will, spielen einige der dramatischen Szenen am Tegernsee, in Gmund und Finsterwald, in Kaltenbrunn, bei St. Quirin und am Wallberg. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass „der berühmte ‚norwegische Dichter Gunnar Stenersen‘ offenbar aus dem schwedischen Dramatiker August Strindberg und dem norwegischen Simplicissimus-Zeichner Olaf Gulbransson mit seiner kuriosen Schreibweise kombiniert worden ist.“[4]

Ebenso versteht es der späte Roman Mehr Glück als Verstand. Eine heitere Sommergeschichte (1936) die humorvolle Geschichte einer ménage à trois zu erzählen, fast schon im Stile eines Heimatfilms der 50er-Jahre, „mit knorrigen Nebenfiguren wie dem alten Brokkenhuus, hinter dem Eduard Graf von Keyserling erkennbar ist“[5] – und erneut mit dem Schauplatz Tegernsee: Die Welt dort besteht aus den Gästen und Bewohnern der „Dividendenburg“ und hat die Liebesgeschichte zwischen dem reichen Bräuherrn und der klugen Zenta zum Thema. Eine behagliche Welt, die nur durch die Prophezeiung einer bevorstehenden ‚Götterdämmerung‘ emporgehoben wird.

Die zwölf Liebes- und Ehegeschichten,[6] die Korfiz Holm zuerst im Simplicissimus, dann 1901 bei Langen in einem Band unter dem Titel Mesalliancen veröffentlichte, spielen vor allem in München und zeigen, wie zwei nicht zueinander passende Menschen „durch die blinde Gewalt des Eros zusammengeschmiedet werden.“[7] Die Charaktertypen umfassen den Studenten, den Offizier, den Aristokraten auf der einen Seite, die Dirne, die Kellnerin, die Komtesse auf der anderen. 

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[1] Der Suhrkamp Verlag hat immer noch Holms meisterhafte Übersetzung von Gogols Geschichte vom großen Krakeel zwischen Iwan Iwanowitsch und Iwan Nikiforowitsch in seinem Programm.

[2] Korfiz Holm in: Das Jahrbuch der deutschen Dichtung 1932. Hg. vom Verein Raabe-Stiftung. Leipzig o.J., S. 120.

[3] Vgl. das Vorwort zu ich – kleingeschrieben: „Liebevoll – ich unterstreiche dieses Wort und bitte den geneigten Leser sehr, sich seiner überall dort zu erinnern, wo es ihm scheinen sollte, daß ich des geziemenden Respektes vor Berühmtheiten ermangle und mich gar zu unbekümmert auf die Bank der Spötter setze.“ (Korfiz Holm: ich – kleingeschrieben. Heitere Erlebnisse eines Verlegers. Hg. von Dirk Heißerer. München 2008, S. 9)

[4] Heißerer, Dirk: Korfiz Holm. Ein Lebensbild [Nachwort]. In: Korfiz Holm: ich – kleingeschrieben, a.a.O., S. 312.

[5] Ebda., S. 315.

[6] Es sind dies: „Komödie“, „Eisgang“, „Morgane“, „Strandgut“, „Der Retter“, „Brautfahrt“, „Redouten-Abenteuer“, „Das ältliche Fräulein“, „Abrechnung“, „Auf der Reise“, „Liebeslotterie“ und „Doktor Tod“.

[7] Siehe Besprechung in der Gesellschaft (1901), Bd. 1, H. 4, S. 271.



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