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Ernst Hoferichter-Preise 2019 an Christine Wunnicke und Dieter Hanitzsch

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Christine Wunnicke © EDITION EPOCA

Die Schriftstellerin Christine Wunnicke und der Zeichner, Illustrator und Karikaturist Dieter Hanitzsch werden mit dem Ernst-Hoferichter-Preis 2019 ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird seit 1975 jährlich an freischaffende Münchner Künstlerinnen und Künstler aus dem Bereich Literatur und Kabarett vergeben, die – wie Ernst Hoferichter – Originalität mit Weltoffenheit und Humor verbinden. Der Preis wurde von Franzi Hoferichter, der Witwe des Münchner Schriftstellers, gestiftet. Über die Vergabe entscheidet der Stiftungsbeirat der Ernst-Hoferichter-Stiftung, der auch als Jury fungiert.

Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:

Dieter Hanitzsch ist gelernter Braumeister, studierter Ökonom, talentierter Werbechef und erfahrener Rundfunkredakteur, lebt aber lieber vom Zeichnen, was er auch beherrscht, ziemlich exzellent sogar, was hierzulande (beinahe) jeder zu schätzen weiß.

Viele politische Größen wie Franz Josef Strauß, den er mit etlichen Bestsellern auch auf dem Buchmarkt publik gemacht hat, sind uns nur noch so gegenwärtig, wie Hanitzsch sie gezeichnet hat. An viele politische Situationen, Konflikte, Entwicklungen können wir uns nur noch erinnern, weil er sie in einer Karikatur erfasst und festgehalten hat. Er hat alle Bücher seines Freundes und Nachbarn Dieter Hildebrandt illustriert und zusammen mit seinem Freund Herbert Riehl-Heyse den Abgeordneten Max G. Froschhammer erfunden und mit diesem Geschöpf ein Abbild des bayerischen Parlamentarismus geschaffen. Obwohl er wie viele Kollegen auch bundesweit publizierte, war er sich nie zu schade für lokale Themen, für die Niederungen der Wiesn und der Kommunalpolitik. Dies hat ihn zu einem herausragenden Chronisten Münchens und Interpreten der bayerischen Lebensart gemacht, die sich der gebürtige Böhme nahezu restlos aneignete.

Als er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhielt, betonte Bundespräsident Joachim Gauck, es sei besonders ihm zu verdanken, 'dass die Kunstform der Karikatur wesentlich zur demokratischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland gehöre'. Er habe 'der Karikatur eine wichtige politische Funktion als kritisches Element verliehen.' Wahre Worte, die schlecht in ein Kündigungsschreiben passen... Aber schließlich ist er gleich nach seiner Versenkung nebenan wieder aufgetaucht; daher schätzen wir ihn jetzt auch noch als politischen Überlebenskünstler.

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Christine Wunnicke ist der große Geheimtipp der Münchner Literaturszene. Auch wenn man einer weit größeren Zahl von Leserinnen und Lesern das Vergnügen der Lektüre ihrer Romane wünschte – das Prädikat des Geheimnisvollen passt zur Autorin, einem bekennenden Nachtmenschen mit einem Faible für ältere englische Literatur und Gothic Novels. Ihre Figuren bewegen sich oft in Grenzbereichen. Wie der Philosoph Dr. Varendorf, der sich im Internet als junges Mädchens namens Serenity neu erfindet und sich zunehmend zwischen seiner Scheinidentität und dem realen Leben verheddert. Oder das Geistwesen Katie, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert durch ein Medium materialisiert und selbst den angesehenen Physiker William Crookes in ihren Bann schlägt.

So ausgefallen ihre Sujets manchmal klingen mögen, Christine Wunnickes Geschichten haben oft einen historisch belegten Kern und sind genauestens recherchiert. Dazu gehört auch die Geschichte des japanischen Nervenarztes Dr. Shimamura, der auf eine Forschungsreise in die Provinz geschickt wird, um die eigenartige Krankheit der Fuchsbesessenheit zu studieren, von der vor allem Frauen heimgesucht werden.

Christine Wunnicke versteht es, mit großer Erzählkunst, Leichtigkeit und feinem Witz die Grenzen scheinbar disparater Welten wie die der Magie und der Naturwissenschaft aufzulösen. So kann für die nächtlich Spazierende ein Kiosk an der Münchner Reichenbachbrücke durchaus zur „Metaphysik der Unendlichkeit in Häuschenform“ gereichen, wo sie in der Schlange vor der Ausgabe den Gespenstern des nahegelegenen Südfriedhofs begegnet.

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Unter den fast 100 Künstlerinnen und Künstlern, die bisher mit dem Ernst-Hoferichter-Preis ausgezeichnet wurden, sind Herbert Achternbusch, Ernst Augustin, Doris Dörrie, Axel Hacke, Jörg Hube, Bruno Jonas, Luise Kinseher, Jörg Maurer, Erwin Pelzig, Maria Peschek, Gerhard Polt, Herbert Riehl-Heyse, Tilman Spengler, Keto von Waberer, Marcus H. Rosenmüller und zuletzt Christoph Süß, Ali Mitgutsch, Thomas Grasberger und Karl-Heinz Hummel.

Dem Stiftungsbeirat gehören der Kulturreferent der Landeshauptstadt München, Dr. Hans-Georg Küppers (Vorsitz), der Leiter der Münchner Stadtbibliothek, Dr. Arne Ackermann, sowie Wolfgang Görl, Dr. Brigitta Rambeck, Michael Skasa und Alt-OB Christian Ude an.


Externe Links:

Informationen zur Kulturförderung in München

Website Christine Wunnicke


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