Natur in der Literatur: Die neue Ausstellung im Literaturhaus München

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Vom 23. März bis zum 7. Oktober 2018 zeigt das Literaturhaus München in der Galerie seine neue Ausstellung: Ins Blaue! Natur in der Literatur. Kuratiert von der Literaturwissenschaftlerin Heike Gfrereis zeigt die Ausstellung in zehn Kapiteln bekannte Texte berühmter Schriftsteller wie Goethe, Jean Paul und Kafka im Kontext der Natur sowie eigens verfasste Texte renommierter Gegenwartsautoren wie Nora Gomringer und Jan Wagner. Außerdem erwartet die Besucherinnen und Besucher ein geheimer Garten.

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Natur boomt – nicht nur in der Literatur. Je mehr wir uns von ihr entfremden, desto mehr sehnen wir uns nach ihr. Die neue Ausstellung im Literaturhaus München zeigt die »Natur in der Literatur« jenseits von Kitsch und Klischee als überraschend und verspielt, unheimlich und verführerisch. In zehn Kapiteln und einem »geheimen Garten« lässt sie die Besucher berühmte Texte in neuem Kontext entdecken und Neues von berühmten Autoren, darunter Goethe und Kafka, Bettina Brentano und Ingeborg Bachmann.

Extra für die Ausstellung verfasste Texte und persönliche Naturstücke von mehr als 30 zeitgenössischen Autoren – darunter Eva Menasse und Teresa Präauer, Marcel Beyer und Martin Mosebach, Marion Poschmann und Anja Kampmann, Michael Fehr und Arno Geiger – laden zudem ein, das eigene Verhältnis zur Natur unter verändertem Blickwinkel zu betrachten.

 

Naturstück und Text von Martin Mosebach © Thomas Dashuber

 

Seit der Antike spielt die Natur in der Literatur eine eminente Rolle – inspirierend, tröstlich, komisch, poetisch –, mit einem ersten Hype in der Romantik. Ihre leidenschaftliche Wiederentdeckung in der Gegenwart steht diametral zur immer radikaleren Ausbeutung durch uns Menschen. »INS BLAUE« ist eine Kunst- und Wunderkammer, die nach dem Prinzip der Assoziation und Karambolage funktioniert und als Einladung zum Selbstversuch: eine Literaturausstellung, die die Besucher zum Mitspieler und manchmal sogar Hauptakteur macht. Denn hinter dem großen Thema Literatur und Natur steckt ein noch größeres: die Literatur und der Mensch.

 

Impression aus der Ausstellung: Blüten © Thomas Dashuber

 

Fels und Licht, Meer und Feuer, Staub und Muschel, Baum und Blume, Blatt und Käfer, Donner und Schmetterling, Nacht und Garten, Wiese und Wolke, Blitz, Flut und Horizont. Die Literatur findet in der Schönheit und Gewalt der Natur ihr poetisches Arsenal. Sie fängt ein und bezähmt, und sie beunruhigt und macht unheimlich. Die Natur ist ihr ewiger Wider- und Gegenstand. Wir Menschen erfinden überhaupt erst Rhythmen, Metaphern und Geschichten – und damit die Literatur, so könnte man zuspitzen –, um die Natur auf unsere Maßstäbe zu bringen und damit hinwegzutäuschen, dass sie gerade eins nicht tut: sich für uns interessieren. Sie ist nicht unser Spiegelbild und dennoch reden wir von Bergfuß und Bergrücken, sehen in Gipfeln Köpfe, Gesichter und wenigstens Nasen, verstehen die Sprache der Blumen, erkennen Rittersporn und Eisenhut, Jungfer im Grünen und Vergissmeinnicht, imitieren Regentropfen, lauschen dem Wind Märchen ab, bringen Tiere zum Sprechen und leihen ihnen unsere Seele, lesen Spuren am Boden und Zeichen am Himmel, sehen den Mond als Gefährten und die Natur als Buch, das uns letztlich doch meint und zumindest durch unser Unbewusstes zu entziffern ist. So recht mögen wir den Glauben daran nicht aufgeben an das, was Joseph von Eichendorff beschworen hat: »Schläft ein Lied in allen Dingen, / die da träumen fort und fort, / und die Welt hebt an zu singen, / triffst du nur das Zauberwort.«

 

Impression aus der Ausstellung: Kräutergarten © Thomas Dashuber

 

Leitung Literaturhaus: Tanja Graf

Kuratorin: Heike Gfrereis

Gestaltung: unodue{münchen

Projektleitung: Karolina Kühn

Beratung: Judith Schalansky

 

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-19 Uhr; Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr

#insblaue


Externe Links:

Ausstellungsinformationen

Literaturhaus München


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