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Startschuss für „Eine Brücke aus Papier“ in Charkiw

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Das Literaturprojekt Eine Brücke aus Papier entstand, um dem vom Krieg erschütterten Land der Ukraine mit Mitteln der Kultur zu begegnen und nicht länger von außen nur zuzusehen. Die Initiative will die ukrainische Kultur und Literatur, deren Protagonisten zumeist den Maidan miterlebt und ihn mit Bildern, Texten, Songs und Performances weiterverbreitet haben, in ihrem Land zu einem kontinuierlichen Gedanken- und Erfahrungsaustausch treffen. Die erste Veranstaltung der Brücke aus Papier fand 2015 im westukrainischen Lemberg/Lwiw statt, das zweite Treffen 2016 in Dnipro. Von 5. bis 7. Oktober 2017 findet das dritte deutsch-ukrainische Schriftstellertreffen in Charkiw/Charkow statt. Folgende Autorinnen und Autoren sind in diesem Jahr mit dabei:

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Juri Andruchowytsch © Juryj Stefanyak

Geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk, dem früheren galizischen Stanislau. Autor von Romanen, Gedichten, Essays. 1985 Mitbegründer der legendären Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu. Seinen literarischen Durchbruch in erlebte Andruchowytsch mit dem Essayband Das letzte Territorium (2003). Darin begründete er die „Karpatologie“, eine ironisch-nostalgische Archäologie des versunkenen Kulturraums Mitteleuropa. Im Zeichen des Karnevals und der Arabeske stehen auch seine Romane Moscoviada (2006), Zwölf Ringe (2007), Geheimnis (2008) und Perversion (2011). Er ist Herausgeber der Anthologie Euromaidan. Was in der Ukraine auf dem Spiel steht, Suhrkamp 2014. Seine Städteporträts, 2016 als Kleines Lexikon intimer Städte. Autonomes Lehrbuch der Geopoetik und Kosmopolitik bei Suhrkamp Insel erschienen, enthalten eine literarische Darstellung von Charkiw. Andruchowytsch wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, zuletzt mit dem Hannah-Arendt-Preis 2014 und der Goethe-Medaille 2016.

 

Akos Doma © Hubert P. Klotzeck

Geboren 1963 in Budapest, Schriftsteller und Übersetzer, lebt in Eichstätt/Bayern. Er wuchs in Ungarn, Italien und England auf. Im Alter von 14 Jahren kam er nach Deutschland. Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik in München und Eichstätt, 1994 Promotion über Die andere Moderne. Knut Hamsun, D.H. Lawrence und die lebensphilosophische Strömung des literarischen Modernismus. 2001 erschien sein erster Roman Der Müßiggänger, 2011 folgte der Roman Die allgemeine Tauglichkeit. Sein 2016 bei Rowohlt publizierter Roman Der Weg der Wünsche, eine poetische Fluchterzählung aus den Zeiten des Kalten Krieges, wurde 2016 für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert. Doma hat Werke von Sándor Márai, László F. Földényi, Péter Nádas und Béla Hamvas ins Deutsche übertragen. Er erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, zuletzt das Prager Literaturstipendium und das Literaturstipendium des Freistaats Bayern.

 

Jan Himmelfarb © Juryj Stefanyak

Geboren 1985 in Charkiw/Ukraine, zog im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie nach Deutschland, ins Ruhrgebiet. Schon in seiner Schulzeit schrieb er Gedichte und kürzere Geschichten. Nach dem Abitur studierte er Betriebswirtschaftslehre, beschloss aber gleichzeitig, Schriftsteller zu werden. Seit 2009 ist er für ein Unternehmen mit Tankstellennetzen in mehreren Ländern tätig. 2008 begann er an seinem ersten Roman Sterndeutung zu arbeiten, der 2015 im C.H. Beck Verlag München erschien. Er erzählt das Schicksal und das Leben mit der Erinnerung einer jüdischen Familie aus Charkiw, die den Holocaust überlebte und in den 1990er Jahren nach Deutschland einwanderte. Jan Himmelfarb lebt, wenn er nicht unterwegs ist, in Bochum, im Ruhrgebiet, wo auch sein gerade entstehender Roman spielen wird.

 

Ljubow Jakymtschuk © Privat

Geboren 1985 in Perwomajsk, Gebiet Luhansk, lebt in Kiew. Schriftstellerin und Kulturaktivistin. Studium der Ukrainischen Philologie und Komparatistik an der Universität Luhansk und der Kiew-Mohyla Akademie. Ljubow Jakymtschuk hat mehrere Gedichtbände veröffentlicht, darunter Jak moda/Wie Mode, Lwiw 2009, für den sie den renommierten Bodan-Ihor-Antonych-Preis für Lyrik erhielt und Abrykosy Donbasu/Die Aprikosen des Donbass, Lwiw 2015. 2013 wurde sie mit dem Internationalen Slawischen Lyrikpreis ausgezeichnet. Ihre Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt. Sie selbst übersetzt Lyrik aus dem Englischen, Hebräischen und Litauischen. Gemeinsam mit dem ukrainischen Kontrabassisten Mark Tokar tritt sie in poetischen Musikperformances mit eigenen Texten auf. Als Kulturkuratorin veranstaltete sie u.a. 2012 in Kiew ein Semenko Jahr über den ukrainischen futuristischen Dichter Michajl Semenko.

 

Oleh Kozarew © Julia Stakhivska

Geboren 1981 in Charkiw, Lyriker und Prosaschriftsteller, lebt in Charkiw und Kiew. Er absolvierte ein Studium der Journalistik an der Universität Charkiw. 2003 kam in Kiew sein erster vielbeachteter Gedichtband Коротке и довне/Das Kurze und das Lange heraus, für den er mehrfach ausgezeichnet wurde. Ihm folgten weitere Gedichtbände, zuletzt Котра година/Wie spät ist es?, Kiew 201, Цирк/Zirkus, Ternopil 2015 und Плавні річки/Ruhige Flüsse, Iwano-Frankiwsk 2015, außerdem der Erzählband Неймовірна історія правління Хлорофітума Першого/Die unglaubliche Geschichte der Regierung Chlorofitums des Ersten, Kiew 2009. Zusammen mit Julia Stachiwska gab er die Anthologie Lyrik der Ukrainischen Avantgarde 1910-1930 heraus. Kozarew erhielt mehrere literarische Auszeichnungen für junge Dichter in der Ukraine. Seine Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt.

 

Andrej Krasnjaschtschich © Juryj Stefanyak

1970 in Poltawa/Ukraine geboren, russischsprachiger Schriftsteller, studierte an der Philologischen Fakultät der Staatlichen Universität Charkiw und schrieb seine Dissertation über James Joyce’ Roman Ulysses. Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift Verbund der Schriftsteller. Das Schaffen von Andrej Krasnjaschtschich zeichnet sich durch phantastische und postmoderne Elemente aus. Sein Erzählband Kultur-und Erholungspark (2008) wurde auf der Shortlist für den Andrei Bely Preis 2009 (angesehenster nichtstaatlicher russischer Literaturpreis für radikale Innovationen in der Literatur) geführt. Er veröffentlichte in ukrainischen, russischen und amerikanischen Almanachen, Anthologien und Zeitschriften wie Novyj Mir und The Massachussets Review und publizierte 2007 mit Co-Autor K. Belyaev das Buch Charkiw im Spiegel der Weltliteratur. Er lebt in Charkiw. 

 

Alexander Milstein © Boris Michailow

Geboren 1963 in Charkiw, russischsprachiger Schriftsteller und bildender Künstler, lebt seit 1995 in München. Nach dem Studium der Mathematik, begann er 1988 zu schreiben. Auf Russisch erschienen sind der Erzählband Schkola kibernetiki (Moskau 2002), die Romane Serpantin (Moskau 2008), Pinoktiko (Charkiw 2008) und Kontora Kuka (Moskau 2012), ein weiterer Erzählband unter dem Titel Kodex paratschjutista (Charkiw 2013) sowie zuletzt der Roman Parallelnaja akzija (Moskau 2014). Im August 2017 kam sein neuer Roman Pjatipol im Verlag des 32 Vozdvizhenka Arts House Kiew heraus. Seine künstlerischen Arbeiten beziehen sich auf seine literarischen Werke. Er zeigt sie in Ausstellungen und fügt sie seit Pjatipol auch in seine Bücher ein. Im Rahmen von Eine Brücke aus Papier wird seine Ausstellung Fenster in Pjatipol am 12. Oktober 2017 im 32 Vozdvizhenka Arts House Kiew eröffnet.

 

Marion Poschmann © Heike Steinweg, Suhrkamp Verlag

Lyrikerin und Prosaschriftstellerin, wurde 1969 in Essen geboren, wuchs dort und in Mülheim an der Ruhr auf und lebt heute in Berlin. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Slawistik, in Bonn und Berlin, danach Szenisches Schreiben an der Berliner Hochschule der Künste. Für das deutsch-polnische Grundschulprojekt „Spotkanie heißt Begegnung“ unterrichtete sie mehrere Jahre lang Deutsch. 2002 debütierte sie mit dem Roman Baden bei Gewitter und dem Gedichtband Verschlossene Kammern. Seither hat sie in regelmäßiger Folge Prosa- und Gedichtbände veröffentlich, seit 2010 im Suhrkamp Verlag Berlin. Ihr Roman Sonnenposition 2013 stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und gewann den angesehenen Wilhelm-Raabe-Preis. 2016 kamen ihre essayistische Prosa Mondbetrachtung in mondloser Nacht. Über Dichtung und der Lyrikband Geliehene Landschaften. Ihr 2017 erschienener Roman Die Kieferninseln wurde für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017 nominiert.

 

Kerstin Preiwuß © Jorinde Gersina

Lyrikerin und Prosaschriftstellerin, 1980 in Lübz geboren, wuchs in Plau am See und Rostock auf und lebt heute als freie Autorin in Leipzig. Nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Psychologie in Leipzig und Aix-en-Provence, promovierte sie über deutsch-polnische Städtenamen. Sie ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. 2006 erschien ihr Gedichtband Nachricht von neuen Sternen. 2008 erhielt sie das renommierte Hermann-Lenz-Stipendium. 2012 erschien ihr zweiter Gedichtband Rede, der von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in die Liste der Lyrikempfehlungen des Jahres aufgenommen wurde. 2014 kam ihr Roman Restwärme im Berlin Verlag heraus, 2016 folgte dort der Gedichtband Gespür für Licht. Ihr neuer Roman Nach Onkalo wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2017 nominiert.

 

Oksana Sabuschko © Juryj Stefanyak

1960 in Luzk geboren, studierte an der Staatlichen Sewtschenko-Universität Kiew und promovierte 1987 in Kunstphilosophie an der Nationalen Akademie der Künste und Wissenschaften in Kiew. Sie trat zunächst als Lyrikerin auf und veröffentlichte seit 1985 mehrere Gedichtbände. Anfang der 90er Jahre lehrte sie an verschiedenen amerikanischen Universitäten (Harvard, Penn State und Pittsburgh). Ihre literarischen und kunstphilosophischen Essays erschienen in großen ukrainischen Zeitschriften. Seit der Veröffentlichung ihres Romans Feldstudien über ukrainischen Sex 1996 (deutsch 2006), ist sie freie Schriftstellerin. Ihr Schreiben ist eng mit der Geschichte, Leiderfahrung und Kultur ihres Landes verbunden, was sich auch in ihren kulturphilosophischen Büchern und Essays zeigt. Auf Deutsch erschien im Droschl Verlag Graz 2012 ihr Essayband Planet Wermut, der die große Tragweite ihres Denkens und Forschens spiegelt. Ihr preisgekrönter fulminanter Roman Museum der vergessenen Geheimnisse (ukr. 2009, dt. von Alexander Kratochvil, Droschl 2010) verändert unsere Sicht auf ihr Land und auf uns selbst.

 

Noemi Schneider © Peter-Andrea Hassiepen

Geboren 1982 in München, Schriftstellerin und Filmemacherin, lebt in München und Weiler im Allgäu. An der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München studierte sie Regie im Bereich Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. Seit 2008 arbeitet sie als freie Autorin für Deutschlandradio Kultur. Sie publizierte Kurzgeschichten, Artikel, Reportagen und Essays, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. 2010 erhielt sie das Jahresstipendium der KIRCH-Stiftung und der HFF München zur Realisierung des Projektes HOW LONG IS NOW, einer „multimedialen Rauminstallation in der Zeit“. 2012 drehte sie in Israel und Palästina ihren Abschlussfilm WALAA! über eine israelisch-arabische Fußballerin. Ihre Erlebnisse im Nahen Osten sind Ausgangspunkt des Buches Kick it Walaa! Das Mädchen, das über Grenzen geht, München 2013. Im Frühjahr 2017 erschien ihr Romandebüt Das wissen wir schon im Verlag Hanser Berlin. Sie war für den Wettbewerb um den Ingeborg Bachmann Preis 2017 in Klagenfurt nominiert. 

 

Juri Zaplin © Natalya Volokhova

Geboren 1972 in Charkiw, wo er bis heute lebt. Russischsprachiger Lyriker und Prosaschriftsteller, Übersetzer zeitgenössischer ukrainischer Autoren ins Russische. Er studierte an der Fakultät für Hochfrequenztechnik des Luftfahrtinstituts in Charkiw. Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift Sojus Pissatelej sowie Autor der Kurzprosa-Sammlung Malenki stschastliwy wetscher (1997). Weitere Veröffentlichungen in Anthologien (Oswoboschdjonny Uliss, Russkaja poetitscheskaja retsch 2017, Otschen korotkije texty, Hoteli Charkowa, Charkiwska Barikada Nr. 2 u. a.) sowie in Zeitschriften in der Ukraine, Russland, USA und Deutschland. Einige seiner Werke liegen in ukrainischer sowie italienischer Übersetzung vor. Gemeinsam mit Rostislaw Melnikow veröffentlichte er 2007 im russischen NLO Verlag einen Überblick über die zeitgenössische Charkiwer Literatur unter dem Titel Sewero-wostok jugo-sapada (NLO 2007).

 

Serhij Zhadan © Taras Gakavchyn

Geboren 1974 in Starobilsk, Gebiet Luhansk. Lyriker und Prosaschriftsteller, lebt in Charkiw. Er studierte an der Universität Charkiw Literaturwissenschaft und wurde mit einer Arbeit über den ukrainischen Futurismus promoviert. Nach zahlreichen Lyrikveröffentlichungen erschien 2004 sein erster Roman Depeche Mode (in deutscher Übersetzung von Juri Durkot und Sabine Stöhr, Suhrkamp 2007. Für seinen Roman Die Erfindung des Jazz im Donbass (Originaltitel Voroshilovgrad, der zeitweilige Name von Luhansk, Charkiw 2010) wurde er vielfach ausgezeichnet. Der Roman Mesopotamien, Charkiw 2014, auf Deutsch bei Suhrkamp 2015, zeichnet meisterlich ein ergreifendes Porträt seiner Stadt, Charkiw. Anfang 2017 erhielt Zhadan den angesehenen Wasyl Stus Preis für sein Werk und seinen Widerstand gegen Unterdrückung. Im September 2017 erschien sein neuer Roman Internat (auf Deutsch im März 2018), der als erster ukrainischer Roman gilt, der den Krieg in der Ostukraine zu seinem zentralen Gegenstand macht.


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