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19.09.2017, 16:46 Uhr
Marlena Simmet
Redaktionsblog
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Helmut Vakily, 1939 / Flyer zum Jubiläum

Die Autoren Galerie 1 feiert ihr 40-jähriges Jubiläum

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Die berühmte Ahnengalerie mit Fotos aus 40 Jahren

Im vierten Stock eines Münchner Bürgerhauses wurde im Jahr 1977 die Autoren Galerie 1 von dem deutsch-iranischen Kunstmaler und Lyriker Helmut Vakily gegründet – mit der Absicht, Künstler und Schriftsteller sowie Kunst- und Literaturfreunde zusammenzuführen. Sie feiert nun ihr 40-jähriges Bestehen.

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Als sich im November 1976 der australische Maler und Zeichner Christopher Croft und der Münchener Maler Helmut Vakily durch Zufall in einer Schwabinger Arztpraxis kennenlernten, nahm die Autoren Galerie 1 ihren Anfang. Die Künstler, beide mit ausländischen Wurzeln, tauschten sich über die schwierigen Ausstellungsmöglichkeiten in München aus. Beeinflusst durch das Gespräch entschloss sich Vakily spontan, eine eigene Galerie in den Räumen seiner Dachkammerwohnung zu eröffnen. Da er, der offen war für alles Neue, Riskante und Abenteuerliche, seine persönliche künstlerische Tätigkeit sowie die Schriftstellerei nicht aufgeben wollte, sollte die Galerie ein bisher unbekanntes Konzept erhalten und sich vom üblichen Kunstbetrieb unterscheiden. Vakily wollte Kunst mit Literatur verbinden  und das Ganze auf Non-Profit-Basis.

Am 14. Januar 1977 wurde die Autoren Galerie 1 mit einer Ausstellung von Christopher Croft eröffnet. Die Bremer-Literaturpreisträgerin und ehemalige DDR-Autorin Christa Reinig las aus ihrem Roman Entmannung. Die Begrüßungsansprache hielt der Exil-Iraner und spätere PEN-Präsident SAID auf Persisch. Der Berliner Kunstkritiker Heinz Ohff lieferte den Katalogtext zur Ausstellung, und der Kunsthistoriker Dirk Halfbrodt verfasste die biographischen Notizen zum ausstellenden Künstler. Trotz der 97 Stufen, die bis zur Galerie überwunden werden mussten, war der Ansturm groß. Die Besucher füllten nicht nur die Galerieräume, sondern das ganze Treppenhaus.

 

       

Einblicke in 40 Jahre Autoren Galerie 1 wie in die erste Ausstellung 1977 (1)

 

Das Projekt mit der Devise, an der eigenen Atelierarbeit und Schriftstellerei festzuhalten, ohne Kunsthandel zu betreiben, gelang. So bejubelte sogar die Wochenzeitung DIE ZEIT die Anfänge: „Eine Galerie, die aus dem Rahmen fällt!" Die Autorinnen und Autoren solidarisierten sich mit dem Konzept der Galerie und verlangten kein Honorar für ihre Lesungen. „Ich hatte niemals die Absicht, Handel zu treiben. Diese Tätigkeit hätte meinen Kopf total besetzt und nicht im Geringsten meinem Wesen entsprochen“, sagt Helmut Vakily im Interview mit der Zeitschrift CULT. Die laufenden Kosten werden bis heute ausschließlich durch einen Freundeskreis getragen, der derzeit aus 169 Mitgliedern aus dem In- und Ausland besteht, zudem von Spenden und den Zuschüssen des Kulturreferats. Die Galerie selbst erhält keine Verkaufsprovision, der Eintritt sowie die Bewirtung sind frei, wie auch die Nutzung der Artothek.

Waren es zu Beginn zwischen acht und zehn Ausstellungen bzw. Lesungen, so finden seit 2013 jährlich sechzehn Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Verbindung mit Autorenlesungen statt. Bevorzugt wird junge Kunst unabhängig vom Alter. Eine Quotenregelung, wonach die Hälfte der Aussteller aus Künstlerinnen besteht, war von Anfang an selbstverständlich. Die Galerie ist seit der Gründung der Initiative Münchener Galerien zeitgenössischer Kunst im Jahr 1988 Mitglied und nimmt regelmäßig an deren „Open Art“-Ausstellungen teil.

 

 

Begründer und Inhaber der Autoren Galerie 1 Helmut Vakily in Bild (1) und Text (2)

 

Die Resonanz auf die ungewöhnliche Verbindung von Kunstausstellungen und Lesungen war stets groß; sie ging so weit, dass schon Einladungen ins Londoner Goethe-Institut, nach Prag, Porto und zuletzt nach Kumamoto in Japan folgten, um das ungewöhnliche Konzept der Autoren Galerie 1 dort vorzustellen.

Viele Künstler, die in der Autoren Galerie 1 ihre ersten Werke vorstellten, haben inzwischen auf Kunstmessen im In- und Ausland ausgestellt oder wurden von anderen Münchner Galerien in deren Programme übernommen. Die Werke der Künstler aus der Galerie waren schon auf der Biennale in Venedig vertreten und wurden in eigenen Ausstellungen in der städtischen Galerie im Lenbachhaus gezeigt. Sogar der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hatte im Schloss Bellevue das Werk eines Künstlers aus der Galerie hängen.

Neben zunächst weniger bekannten Künstlern wurden u.a. schon Arbeiten von Günter Grass, Francis Bacon, Walter Stöhrer und Joseph Beuys, Anna Kubach-Wilmsen, Christine Colditz und Helmtrud Nyström gezeigt. Neben der Malerei und gängigen Kunstformen wie Skulptur, Objekt und Fotografie bietet die Galerie auch ungewöhnlichen Ausdrucksformen einen Raum.

 

Große Künstler waren in der Autoren Galerie 1 schon immer zu Gast, u.a. der Schweizer Schriftsteller Kuno Raeber (1)

 

Zu den Autoren, die in der Galerie bereits Lesungen abhielten, gehören u.a. Wolfgang Koeppen, Cyrus Atabay, Gisela Elsner, Grete Weil, Paul Wühr, Dagmar Nick, Horst Bienek, SAID, Michael Krüger, Lena Gorelik, Thomas Lang und Hermann Lenz.

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Seit einigen Jahren wird Vakilys Einmannbetrieb von Gudrun Bouchard, Reinhard Strasser und vor allem der Malerin SOPHIE unterstützt. 

Helmut Vakily, 1938 als Sohn eines iranischen Chirurgen und einer deutschen Fremdsprachenkorrespondentin in Konstanz geboren, verbringt zehn Jahre seiner Kindheit in Teheran. 1949 kehrt er nach Deutschland zurück, wo er schließlich Buchgrafik und Malerei in Dortmund und an der Stuttgarter Kunstakademie studiert. Seit 1963 folgen Ausstellungen seiner Bilder, seit 1992 Veröffentlichungen und Lesungen seiner Porträt-Gedichte.


Externe Links:

 Homepage der Autoren Galerie 1 

Artikel in der AZ

Cult Magazin


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