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Bernhard M. Baron, der Weidener „Kultur-Baron“, wird 70. Ein Glückwunschschreiben

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Foto: Bernhard M. Baron

Am 12. Mai wird auf Malta ein Geburtstag in kleinem Kreise gefeiert, der weit mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient hätte – vor allem hier in Bayern. Bernhard M. Baron, der ehemalige Kulturamtsleiter von Weiden in der Oberpfalz, wird 70 Jahre alt – der „Kultur-Baron“, wie ihn viele wegen seiner umtriebigen Aktivitäten im Dienste der bayerischen Kultur und Literatur nennen.

25 Jahre lang leitete Baron das Weidner Kultur- und Tourismusbüro. In dieser Zeit prägte er entscheidend das Kulturleben seiner Heimatstadt, das zuvor noch etwas verschlafen war. Mit seinem Namen sind etwa verbunden die „Weidener Sommer-Serenaden“ im dortigen Max-Reger-Park oder die Touristik-Straße Goldene Straße, die die historische Reichsstraße von Karl IV. von Nürnberg über Weiden, Bärnau und Pilsen nach Prag kulturell wiederbelebte.

Sandra Paretti und Bernhard M. Baron im Großen Sitzungssaal des Alten Rathauses zu Weiden am 4. Mai 1985 i.R. der 1. Weidener Literaturtage (Foto: Rudi Bonkoß © Bernhard M. Baron).

Einer seiner größten Verdienste aber war sicherlich die Initiierung der „Weidener Literaturtage“ im Jahr 1985, die er bis zum Mai 2007 kuratierte und organisierte. Rund 400 namhafte deutsche und internationale Schriftsteller gaben sich hier über die Jahre hinweg ein Stelldichein und verliehen dem Literaturort Weiden überregionale Bedeutung. Besonderes Kennzeichen der Literaturtage sind Lesungen an Schulen oder Veranstaltungen in öffentlichen Räumen wie am Bahnhof oder in Kaufhäusern, also eine Demokratisierung der Literatur.

Überregionale Beachtung fand auch Barons Weidener Literaturgeschichte „Weiden in der Literaturgeographie“ aus dem Jahr 1992, die inzwischen mehrere Auflagen erfahren hat und anderen Städten durchaus als Anregung diente. Baron hat den Begriff „Literaturgeographie“ geprägt. Dankbar sind ihm mit Sicherheit die vielen bayerischen, speziell Oberpfälzer Autoren, denen er auf dem Literaturportal Bayern, für das er seit 2012 ehrenamtlich schreibt, Miniaturdenkmäler in Form von literarischen Porträts, Themen oder Blogs setzte. Ausschlaggebend ist für Baron dabei nicht die derzeitige Stellung des jeweiligen Autors im Literaturbetrieb, sondern dessen Verbindung zu Bayern und die Frage, inwieweit er – auf welche Art auch immer – eine Bereicherung für die Literatur der Region darstellt.

Bernhard M. Baron und Erich Loest auf der Leipziger Buchmesse im März 2011 (Foto: Bernhard M. Baron).

Für das Literaturportal, eine Plattform der Bayerischen Staatsbibliothek, schreibt Baron überdies literarische Städte- und Gedenkporträts, in denen nachzulesen ist, welche Schriftsteller auf die eine oder andere Art und Weise mit dem jeweiligen Ort zu tun hatten. Auch als Beirat der Literaturzeitschrift Literatur in Bayern unterstützt Baron regionale Autoren und misst die Literaturgeographie Bayerns ab.

Schon immer blickt Baron auch über die Landesgrenzen hinaus. Bereits vor dem Jahr 1989 pflegte er intensive Kontakte zu tschechischen Schriftstellern wie etwa zu dem Lyriker und Romancier Jiři Gruša, der später tschechischer Botschafter und Internationaler P.E.N.-Präsident wurde.

Intensiv tauschte sich Baron mit Autoren wie Erich Loest aus, dem „knorrigen Sachsen“, wie er ihn nennt. Loest streifte noch in den letzten Kriegstagen 1945 als „Werwolf“ durch die Wälder im Oberpfälzer Grenzland. In der DDR wurde er später wegen „revolutionärer Gruppenbildung“ zu jahrelanger Haft in Bautzen verurteilt. Gemeinsam suchten Baron und Loest die Kriegspfade im Jahr 1985 anlässlich der Weidener Literaturtage noch einmal auf.

 

Ein Oberpfälzer Literaturdetektiv auf Malta

Mit Walter Kempowski 1988 in Weiden (Foto: Bernhard M. Baron).

Geboren wurde Bernhard M. Baron am 12. Mai 1947 im Markt Luhe bei Weiden als Sohn eines oberschlesischen Polizeibeamten und einer Schneidermeisterin. In Neustadt an der Waldnaab erwarb er die Mittlere Reife, er arbeitete als Verwaltungsbeamter an verschiedenen Landratsämtern und absolvierte später ein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt. Von 1982 bis 2007 war er Kulturamtsleiter von Weiden, bis er dann mit 60 Jahren in Frühpension ging. Heute lebt der Vater von drei Söhnen und Großvater von sechs Enkeln zusammen mit seiner Frau, der Malerin Mary Baron-Muscat, mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist, auf der Insel Malta. Immer wieder aber reisen sie gemeinsam nach Bayern und in die Oberpfalz, und nie verliert Baron die bayerische Literaturgeographie, die Autorinnen und Autoren seiner Heimat aus dem Blick. Wie er das macht? „Heute kann man auf Galapagos leben oder auf Tahiti, dank des Internets ist man überall informiert“, sagt er. Täglich studiert er den Neuen Tag aus Weiden, die Mittelbayerische aus Regensburg und die Süddeutsche online. Sein Wissen schätzt er nicht als „akademisch“ ein, es sei „persönlich erlebt und erlesen“.

Für sein Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, genannt seien etwa der Friedrich-Baur-Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, den er 1995 erhielt, der Nordgaupreis des Oberpfälzer Kulturbunds (1998), der Kulturpreis für Sprache und Dichtung des Bezirks Oberpfalz (2000) oder der Kulturpreis Brückenbauer/stavitel mostu des Centrums Bavaria Bohemia (2008). Im Januar 2011 schließlich wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Begrüßung von Senta Berger im Rahmen der 23. Weidener Literaturtage im Mai 2007 (Foto: Bernhard M. Baron).

Seine Liebe aber gehört – neben seiner Frau – vor allem der Oberpfalz. Sie ist für ihn eine „klassische Literaturlandschaft im Literaturland Bayern, die nur viele Pseudoakademiker in der weiß-blauen Hauptstadt nicht wahrnehmen wollen.“ Aber vielleicht irrt er sich ja auch, und die Oberpfalz ist als Literaturland, nicht zuletzt auch dank seiner Bemühungen, selbst in München inzwischen ein Begriff. An dieser Stelle sei dem „Oberpfälzer Cicerone“, wie Hellmuth Karasek ihn einmal genannt hat, vor allem eine prächtige Gesundheit, eine weiterhin flotte Feder und viel Glück und Freude im Kreise seiner Liebsten gewünscht.

Glück auf, Kultur-Baron!

Hellmuth Karasek bei den 15. Weidener Literaturtagen im Mai 1999 (Foto: Bernhard M. Baron).

 

Der in Weiden geborene Stefan Wirner lebt seit 1990 als Journalist und Autor in Berlin. Seit Januar 2012 arbeitet er als Redaktionsleiter der „drehscheibe“, des Magazins für Lokaljournalisten der Bundeszentrale für politische Bildung. Wirner schreibt Glossen für verschiedene Zeitungen und Artikel, u.a. für Amnesty International. Als Autor von drei „cut-up-Romanen“ (Verbrecher Verlag, Berlin) und Gedichten (Love to Go, 2011) ist Stefan Wirner belletristisch hervorgetreten. Als Lyriker sieht er sich in der Tradition des französischen surrealistischen Dichters René Char.


Sekundärliteratur:

Macher, Hannes S. (2017): Der „Literaturbaron“ der Oberpfalz. In: Literatur in Bayern 128, S. 37.


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