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Refugees. Führung durch die Fotoausstellung von Herlinde Koelbl

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Herlinde Koelbl reiste zu verschiedenen Flüchtlingslagern in Italien, Griechenland und Deutschland, um herauszufinden, wie die Menschen dort leben, nach ihrer Ankunft in Europa. Dazu schoss sie eine Reihe von Fotos, die zurzeit im Literaturhaus in München in einer Ausstellung mit dem Titel Refugees. Eine Herausforderung für Europa zu sehen sind. An mehreren Abenden führt die Fotografin selbst durch die Ausstellung und erklärt, wie die Bilder entstanden sind.

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„Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzten. Ein Zehntel der Energien, ein Bruchteil des Geldes wäre hinreichend, um den Menschen aller Länder zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen.“ Dieses Zitat von Albert Einstein stellt die Fotografin Herlinde Koelbl der Ausstellung im Literaturhaus München voran. Sie zeigt auf mehreren Fotos, wie die Geflüchteten in den Lagern leben, auf die sie nach ihrer strapaziösen Reise nach Europa verteilt werden, etwa wie sie versuchen, sich auch noch auf kleinstem Raum ein Zuhause und etwas Persönliches zu schaffen. Dies gestaltet sich je nach Flüchtlingsunterkunft einfach oder schwierig. Die Zustände, die in den Flüchtlingslagern herrschen, variieren von Ort zu Ort: Da gibt es Menschen, die Pritsche an Pritsche leben müssen, ohne jegliche Privatsphäre. Oder die besseren Unterkünfte, in denen die Familien ein eigenes Zimmer bekommen. Die Geflüchteten warten oft monatelang in den Lagern, ohne zu wissen, wann sie wieder ein „normales“ Leben führen werden. Auch darauf macht die Fotografin aufmerksam.

     

Trotz wenig Platz versuchen sich die Flüchtlinge ein Zuhause zu schaffen. © Herlinde Koelbl

Koelbl zeigt die Flüchtlinge beim Essen (auch beim Warten in der Essensschlange), Schlafen, Lesen, im Sprachunterricht, Kinder beim Spielen usw. Wichtig ist ihr dabei festzuhalten, dass es sich bei den Flüchtlingen nicht um eine große Masse handelt, sondern um Individuen, mit ihren ganz persönlichen, einzigartigen Lebensgeschichten. In einem Teil der Ausstellung zeigt sie Einzelporträts von einigen Flüchtlingen, um dies zu unterstreichen.

Neben den Fotos hat die Fotografin auch ein Video erstellt, in dem sie einige der Flüchtlinge interviewt hat. Sie fragt sie, wo sie herkommen, wie die Überfahrt war, was sie sich in Europa erhoffen, ob sie in ihre Heimat zurückkehren würden, wenn dort kein Krieg herrschen würde, usw. Mit viel Feingefühl und dem Blick fürs Wesentliche porträtiert Koelbl das momentane Leben der Flüchtlinge und zeigt auf, dass ihre Reise mit der Ankunft in Europa noch lange nicht vorbei ist.

      

Die Flüchtlinge haben alle eine lange anstrengende Reise hinter sich. © Herlinde Koelbl

 

»Mein Anliegen war es, herauszufinden, wie es weitergeht nach der Ankunft der Flüchtenden in Griechenland, Italien oder Deutschland. Wenn die Schlaglichter von dramatischen Situationen des Ankommens erloschen sind und das alltägliche Leben beginnt. Diese Menschen sind voller Hoffnung auf einen neuen Start. Die Grenzen wurden geschlossen und sie strandeten in Camps, manche am Boden hausend, manche in festen Zelten und Häusern. Trotz der Widrigkeiten der Unterbringung versuchen sie den Alltag zu meistern. Manche resignieren und ergeben sich der Langeweile. Andere versuchen sich in den großen Unterkunftshallen eine kleine Privatheit zu schaffen und sich nicht gehen zu lassen. Frauen werden schwanger, Kinder werden geboren, das Leben nimmt weiter seinen Lauf. Doch die Zukunft ist ungewiss. Unter diesen Umständen lernen die Kinder früh den Darwinismus des Lebens kennen. Deshalb ist es wichtig, wenn sie bleiben, ihnen Bildung und Sprache und somit Verständigung zu ermöglichen. Denn ihre Zukunft ist auch Teil unserer Zukunft.« (Herlinde Koelbl)

 

Herlinde Koelbl ist eine international angesehene Fotografin und erhielt 2015, neben zahlreichen anderen Preisen, den Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München. Sie arbeitet unter anderem für Die Zeit, den Stern und die New York Times.

    

Flüchtlinge beim Sprachunterricht und die Fotographin Herlinde Koelbl © Herlinde Koelbl


Externe Links:

Ausstellungsinformationen

Homepage von Herlinde Koelbl


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