Die Monacensia im neuen Licht. Beitrag zur Neueröffnung der Monacensia im Hildebrandhaus

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© Michael Nagy

„Wir sind wieder da!“ – so der freudig-stolze Slogan zur Wiedereröffnung der Monacensia im Hildebrandhaus in München. Lang hat es gedauert und groß waren dementsprechend auch die Neugier und die Erwartung, was sich nach den Jahren der Generalsanierung und der Neukonzeption alles verändert haben würde.

2011 hatte der Stadtrat den Entschluss zur Generalsanierung und Erweiterung des Hildebrandhauses gefasst. Offener sollte es werden, der historische Urzustand des Hauses für die Besucher wieder spürbarer und zeitgleich modernsten Standards angepasst werden. Behutsam wurde das ehemalige Künstlerhaus in der Folge unter der Leitung des Baureferats der Stadt München und des Architekten Lorenz Wallnöfer in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt und die Bedingungen für die Nutzung als Literaturarchiv, Bibliothek sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsraum optimiert. Neben den Restaurierungen der Bausubstanz wurden hierbei unter anderem Brandschutz und Technik auf den neusten Stand gebracht. Das Ergebnis des architektonischen Sanierungskonzepts ist eine deutliche Erweiterung der öffentlich nutzbaren Flächen von 380 m² auf 851 m², die dem Publikum der Monacensia, vom Ausstellungsbesucher bis zum Wissenschaftler, mehr Raum zur Verfügung stellt und die Aufenthaltsqualität damit deutlich verbessert.

 

Barrierefreier Zugang, Ateliertor und Arbeitsplätze für Forscher

Eine der auffälligsten Neuerungen des Umbaus stellt der neu geschaffene Glasanbau an der Südseite des Hauses dar. Dieser bietet neben einer räumlichen Erweiterung, in die im Frühjahr 2017 das Café Mon einziehen soll, einen zusätzlichen und barrierefreien Zugang zum Haus. Neben dem ursprünglichen Eingang der Künstlervilla können BesucherInnen das Haus nun durch das wieder freigelegte Ateliertor, durch das einst die großen Stein- und Marmorblöcke und die fertigen Skulpturen Adolf von Hildebrands transportiert wurden, betreten. Das beeindruckend hohe Tor war vor der Sanierung nur geschlossen von außen sichtbar gewesen, da es von innen gänzlich zugemauert war. Wieder in der Originalfarbe gestrichen stehen die weit geöffneten grünen Torflügel heute allegorisch für die neue Öffnung, die das Haus sowohl architektonisch als auch konzeptuell durch den Umbau erfahren hat.

Nach der mehrjährigen Umbaupause, innerhalb derer die MitarbeiterInnen der Monacensia für dreieinhalb Jahre die schöne Künstlervilla in Bogenhausen räumen mussten, ist diese nun seit 9. Dezember 2016 wieder der Öffentlichkeit zugängig und widmet sich mit vereinten Kräften seinen Aufgaben als literarisches Gedächtnis der Stadt München.

© Eva Jünger / Münchner Stadtbibliothek

Das geschieht unter anderem durch die Arbeit des Monacensia-Literaturarchivs, das mit seinen rund 300 literarischen Nachlässen und 480.000 Autographen als Forschungsstätte für wissenschaftliches Arbeiten und Publikationen allen Interessierten offen steht. Die umfangreichen Bestände reichen von Oskar Maria Graf, Frank Wedekind, Annette Kolb, Ludwig Thoma, Klaus und Erika Mann bis hin zu Herbert Rosendorfer, Gert Heidenreich und Herbert Achternbusch. Sie werden im neu gebauten Hochsicherheits-Depot unter konservatorisch idealen Bedingungen aufbewahrt.

Die wissenschaftliche Erschließung der literarischen Nachlässe der Monacensia ist fest in den universitären Alltag eingebunden. Seit 2010 besteht eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Kulturreferat der Stadt München, der Ludwig-Maximilians-Universität und der Monacensia im Hildebrandhaus, im Rahmen derer junge WissenschaftlerInnen und Studierende die Möglichkeiten zu eigenen Forschungsprojekten und der wissenschaftlichen Nutzung der Bestände des Monacensia-Archivs haben. Neben vier neu geschaffenen Arbeitsplätzen für Dissertations- und Habilitationsprojekte steht für Literaturvermittlung und Wissenschaft mit dem technisch neu ausgestatteten „Salon Hildebrand“ auch ein neuer Seminarraum zur Verfügung.

 

Themenbibliotheken und neuer Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen

In den drei neu gestalteten Themenbibliotheken mit ihren insgesamt 150.000 Medien kann man sich München nach allen Regeln der Kunst erlesen: Da ist zum Beispiel die „Bibliothek im Damenatelier“, in den ehemaligen Atelierräumen der Töchter des Bildhauers Adolf von Hildebrand, in der man einen gut sortierten Querschnitt von der Architektur und Baukunst über die Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt bis hin zu den Münchner Stadtteilen und Sport in München findet. Den literarischen Werken von und über die Familie des weltbekannten Schriftstellers und Nobelpreisträgers Thomas Mann ist eine eigene Freihandbibliothek gewidmet. Die „Bibliothek Familie Mann“ versammelt ausgewählte Werkausgaben, Briefbände, Tagebücher, Biografien und Bildbände, neuere Sekundärliteratur, Jahrbücher, Studien- und Schriftenreihen zur „amazing family“, die einige der bedeutendsten Schriftsteller deutscher Sprache hervorbrachte. Und auch den zeitgenössischen AutorInnen Münchens ist eine eigener Raum gewidmet: In der „Bibliothek Münchner Autorinnen und Autoren“ wird eine repräsentative Auswahl präsentiert, die permanent angepasst und aktualisiert wird.

Marie Therese Futterknecht und Robert Joseph Bartl lasen zur Eröffnung der Monacensia im Hildebrandhaus Texte zum literarischen München zur Zeit von Thomas Mann © Michael Nagy

Neuen und vor allem mehr Raum gibt es jetzt auch für Ausstellungen und Veranstaltungen, wie die BesucherInnen des Eröffnungswochenendes Anfang Dezember bereits erleben durften. So wurde vom 9. bis 11. Dezember im lichten, sechs Meter hohen und mit 118 m² sehr geräumigen „Forum Atelier“, der neue Name für Hildebrands Ausführungsatelier, unter anderem aus Briefen der Familie Mann gelesen, sang Anatol Regnier zur Gitarre die launigen Lieder seines Großvaters Frank Wedekind und stellte die Leiterin des Hauses, Frau Dr. Tworek, stolz das neue Buch zur Dauerausstellung „Literarisches München zur Zeit von Thomas Mann“ vor.

Ebenso gut besucht wie die Lesungen waren auch die ersten öffentlichen Führungen durch das Haus und die drei Ausstellungen.

In den neu gestalteten, hellen Räumen, in gemütlichen Lese-Ecken und ab dem Frühjahr auch in dem im Haus integrierten Café Mon und dem bis dahin neu erblühten Garten können BesucherInnen das moderne literarische München im Einklang mit seiner bedeutungsvollen Geschichte erleben. Hier werden sie wieder zum Leben erweckt, die Schriftsteller, die München und den Münchner Raum prägten und auf die die Stadt und ihre Geschichte eine nicht minder prägende Wirkung hatte. Aber auch der Schriftkultur selbst als eigene Kulturtechnik, die es zu bewahren und zu vermitteln gilt, wird hier eine wichtige Rolle eingeräumt. Die Monacensia im Hildebrandhaus: ein lebendiger Ort für das literarische München und seine BürgerInnen. Das ist der Wunsch für die Zukunft und dazu sind alle eingeladen – zum Verweilen, Lesen, Entdecken und guten Gesprächen.


Verfasser: Lisa-Katharina Förster M.A.


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