7. Literaturfest München – forum:autoren und Festprogramm

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Cover- & Plakatmotiv Literaturfest München 2016 (Gestaltung Büro Alba, Foto: © Eva Jünger)

Auf der Pressekonferenz im Literaturhaus wurde das Programm des 7. Literaturfests München vorgestellt: Vom 10. bis zum 27. November 2016 treten rund 100 Autorinnen und Autoren sowie Künstlerinnen und Künstler an verschiedenen Orten in München auf. Szenische und musikalische Lesungen, Diskussionen, Symposien, Konzerte und Ausstellungen stehen auf dem Programm, zudem Schullesungen sowie tägliche Mitmach-Aktionen für Kinder und Jugendliche. Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München, betonte zum Auftakt der Pressekonferenz: „Das Literaturfest ist heuer im ‚verflixten siebten Jahr‘. Das macht uns keine Sorgen. Jetzt erst recht wollen wir unser Publikum verführen – in die verlockenden Welten der Bücher und des Lesens, zu Reisen, die keine Grenzen kennen.“

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Das Kuratorenprogramm forum:autoren lädt ein zur Erkundung der Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Sprache

Elke Schmitter, Kuratorin des forum:autoren 2016 © Stephan Zwickirsch

Die Schriftstellerin und Spiegel-Autorin Elke Schmitter hat das diesjährige forum:autoren unter das Motto ein wort gibt das andere gestellt. Sie erkundet Möglichkeiten und Grenzen der Sprache und fragt mit ihren internationalen Gästen aus Literatur, Musik, Theater, Wissenschaft und Journalismus: Welche Beziehungen bestehen zwischen Sprache, Dichtung und Politik? Wo treffen sich Sprache und Musik? Was können Übersetzungen vermitteln? Und wie funktionieren Sprachen ohne Schrift? „Wir gehen bei der Sprache ein und aus: beim Erzählen, beim Erklären, beim Missverstehen, beim Hören, beim Übersetzen und bei der Verzauberung durch literarische und musikalische Stimmen“, so Elke Schmitter. „Wer ein wort gibt das andere besucht, dem soll es schwindeln vor Erkenntnis, und den soll die Schönheit der Literatur gepackt haben und nicht mehr loslassen.“

Eröffnet wird das forum:autoren mit einem Gipfeltreffen zweier Nobelpreisträgerinnen: Swetlana Alexijewitsch und Herta Mülller lesen und sprechen über Sprache und Poesie in Diktaturen. Mit zwei Symposien fordert Elke Schmitter auf: Lasst uns über Sprache reden, über Muttersprachen und natürliche Sprachen als kulturelle Ressourcen, u.a. mit der neuseeländischen Singer-Songwriterin Hinemoana Baker, dem Künstler Haralampi G. Oroschakoff und Mandana Seyfeddinipur, der Leiterin des World Languages Institute in London. Oder über Sprache in Politik, Medien und Kunst mit der Schriftstellerin Ulrike Draesner, der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot, dem Medienwissenschaftler Jochen Hörisch und dem Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant.

Auch ein eigens für das forum:autoren entworfenes Theaterprojekt steht auf dem Programm: In der szenisch-theatralen Inszenierung Rot ist, wie ein Holzkästchen sich anfühlt lässt Schriftstellerin und Regisseurin Judith Kuckart Blinde und Sehende aufeinandertreffen, die versuchen, ihre Vorstellungen von sich, von anderen und ihrer Umwelt in Worte zu fassen, innere Bilder und äußere Wirklichkeit in Beziehung setzen. Aussterbende Sprachen, die für die meisten Menschen kein Verständigungsmittel mehr, sondern bloße Klanglandschaften sind, hat die Filmregisseurin Lena Herzog erforscht und in einem Oratorium für bedrohte Stimmen zusammengeführt. Ihr Film Last Whispers wird im Rahmen des forum:autoren als Preview erstmals in Deutschland gezeigt. Botschaften über Gesang vermittelten Bänkelsänger als fahrende Nachrichtenüberbringer des Mittelalters. Beim forum:autoren treffen sich Schriftsteller, Musiker und Vokalkünstler an drei Festivalabenden an der Bänkelbar im Hofspielhaus, darunter Najet Adouani, Alida Bremer, Michael Krüger, Joachim Sartorius und Jan Wagner.

 

Beim Festprogramm des Literaturhauses München berichten Schriftstellerinnen und Schriftsteller von nahen und fernen Welten

 

Tanja Graf, Leiterin des Literaturhauses München & Geschäftsführerin des Literaturfestes München © Catherina Hess

Das Festprogramm des Literaturhauses München präsentiert unter dem Motto Die Welt erzählen Geschichten, die in anderen, nahen wie fernen Ländern spielen. Literaturhausleiterin Tanja Graf hebt hervor: „Wer seinen Blick weitet, versteht besser, was vor der eigenen Haustür passiert: Zum diesjährigen Literaturfest präsentiert das Literaturhaus deutschsprachige und internationale Autorinnen und Autoren, die unseren Horizont erweitern, die uns das Fremde, Exotische als Bereicherung, Erkenntnisgewinn, Verführung zum Denken nahebringen.“ So führt das neue Buch Kompass des Prix Goncourt-Preisträgers Mathias Énard in die Städte Istanbul, Damaskus, Aleppo und Palmyra und handelt von der Sehnsucht des Westens nach dem Orient. Christoph Ransmayrs neuer Roman Cox oder Der Lauf der Zeit spielt in China, Shumona Sinha schreibt über Indien, Kalkutta, und Ingo Zamperoni berichtet über das ‚fremde Land‘ Amerika.

Teil des Literaturhaus-Festprogramms ist zudem der von Alke Wendlandt kuratierte Markt der unabhängigen Verlage. Andere Bücher braucht das Land am 26. und 27. November, bei dem das illustrierte und besonders gestaltete Buch im Mittelpunkt steht. Der Buchmarkt lädt rund 30 unabhängige Verlage ins Literaturhaus und zeigt, flankiert von Diskussionen, Workshops und einer Illustrations-Ausstellung, die Vielgestaltigkeit der Buchbranche. Am Samstagabend wird mit den Verlegerinnen und Verlegern und dem Literaturfest-Publikum bei Musik von Konnexion Balkon der Abschluss des Marktes und zugleich des Literaturfests München gefeiert.


Externe Links:

Literaturfest München

Literaturhaus München


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