Ein Vortrag über das Konzept der „schönen Seele“ bei Sophie von La Roche

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Dr. Kerstin Bönsch; Bild: Kurt A. Fischer, Freundeskreis Sophie La Roche e. V.

Nachdem die Referentin Dr. Kerstin Bönsch, die seit 2012 auch als Geschäftsführerin der Christoph Martin Wieland-Stiftung in Biberach/Riß tätig ist, bereits im Jahr 2011 beim Freundeskreis Sophie La Roche e.V. in Kaufbeuren die ersten Grundzüge ihrer Dissertation zu Sophie La Roche präsentiert hatte, stellte sie nun, erneut im Matthias Lauber-Haus, das darauf beruhende Buch mit dem Titel Schöne Seelen, schöne Leichen vor.

Die Vortragsveranstaltung bildete gleichsam die Abschlussveranstaltung des Freundeskreises Sophie La Roche e.V. für das Jahr 2018, das auf diese Weise im „Kaufbeurer Geburtsmonat“ Dezember besonders sinnfällig abgerundet werden konnte. Das Buch von Kerstin Bönsch wurde im Januar 2018 fertiggestellt, seit Oktober 2018 befindet es sich im allgemeinen Buchhandel.

Nach der Begrüßung durch Gerd F. Thomae ging die Referentin auf die wesentlichen Inhalte ihres aktuellen Werks ein. Trotz der Terminologie im Titel hat Sophie La Roche keineswegs immer nur die „schöne Seele“ als literarisches Idealbild verfolgt. Die Fragestellungen Was ist schön? Wonach strebt das Individuum? Was macht glücklich? Wo steht der Mensch zwischen Natur und Gesellschaft? Ist der gute Mensch schön und der schöne Mensch auch gut? beschreiben nur einige der Problembereiche, die sich aus dem Konzept der „schönen Seele“ ableiten lassen. Dichter und Philosophen verknüpften seit der Antike mit dem Phrasem generell ein Menschheitsideal. Im 18. Jahrhundert ist es die Idee eines idealen, vornehmlich weiblichen Charakters, dessen innere Schönheit sich auch in die äußere Erscheinung einschreibt.

Die erste deutsche Bestsellerautorin Sophie von La Roche (17301807) aus Kaufbeuren verwendet die „schöne Seele“ als eine in ihrem Werk durchaus zentrale Formel. Die Studie von Kerstin Bönsch beleuchtet das damit verbundene Konzept erstmalig systematisch-wissenschaftlich und erläutert Modifikationen zu den damals zeitgenössischen gesellschaftlichen Entwicklungen, den literarischen Strömungen und den historischen Ereignissen. Sie unterstreicht vor allem das Wechselverhältnis von Literatur und Gesellschaft und stellt die literaturwissenschaftlichen Resultate in einen umfassenden interdisziplinären Zusammenhang mit Philosophie, Soziologie und Geschichte.

Die Referentin selbst hat Germanistik, Soziologie und Ethnologie in Konstanz und Freiburg/Breisgau studiert und an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg promoviert. Sie gab im Verlauf ihres Vortrags viele Beispiele aus dem Werk von Sophie La Roche, so beispielsweise aus: Geschichte des Fräuleins von Sternheim, Rosaliens Briefe, Reise durch Frankreich oder Reise durch die Schweiz.

Sophie La Roches literarische Tätigkeit entfaltete sich bekanntermaßen im zeitlichen Umfeld der Französischen Revolution. Sie gehörte allerdings nicht zu ihren Anhängern. Es bleibt vielmehr besonders bemerkenswert, dass sich ihre frühe geistige und literarische Orientierung vor allem dem englischen Sprachraum widmete. Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim, die als Sophie La Roches Hauptwerk gilt, hat seine Handlungsebenen etwa ausschließlich in England.

Sophie La Roches Korrelation mit Christoph Martin Wieland, mit dem sie zeitweise verlobt war und der den Begriff der „schönen Seele“ als einer der Ersten literarisch angewandt hat, oder die besonders verständnisprägenden Bekenntnisse zum Begriff der „schönen Seele“ bei Johann Wolfgang von Goethe waren es, die das „weibliche“ Konzept der „schönen Seele“ bei Sophie La Roche nachhaltig beeinflusst haben.


Externe Links:

Website Freundeskreis Sophie La Roche

Sophie La Roche-Tour

Die 9 Wohnsitze der Sophie La Roche

Sophie La Roche-Realschule Kaufbeuren

Stadtmuseum Kaufbeuren

ZEIT-Artikel zum 200. Todestag von Sophie La Roche


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