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24.05.2018, 15:58 Uhr
Ayeda Alavie
Text & Debatte
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Ayeda Alavie beim Kulturfestival 'Acht Mal Ankommen'

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Auf Betreiben einer Reihe von Münchner Kulturschaffenden werden unter dem Motto Meet your neighbours seit April 2016 einmal im Monat Menschen vorgestellt, die auf der Flucht nach München gekommen sind. Die Reihe ist unter dem Dach des Aktionsbündnisses Wir machen das entstanden. Ende Februar hat Meet your neighbours ein großes internationales Lese- und Kulturfestival in der Monacensia im Hildebrandhaus veranstaltet – mit Neuankömmlingen in Bayern aus 25 Jahren. Auch das Literaturportal Bayern war daran als Kooperationspartner beteiligt.

Die iranische Autorin und Übersetzerin Ayeda Alavie lebt seit 1999 in Deutschland. In ihrer Heimat hat sie zahlreiche literarische Texte für Kinder und Jugendliche verfasst und illustriert. Sie war von 1993 bis 1998 als Autorin und Redakteurin für Kinder- und Jugendprogramme bei Radio Teheran tätig. In Deutschland studierte sie Deutsche Linguistik, Neuere Deutsche Literatur sowie Europäische Ethnologie. Zuletzt erhielt sie große Anerkennung für ihre Übersetzung von Christine Nöstlingers Maikäfer flieg ins Persische. Seit 2016 übersetzt und schreibt Ayeda Alavie für den Hagebutte Verlag in München.

*

Rotes Blutkörperchen

 

بنی آدم اعضای یک پیکرند

کھ در آفرینش ز یک گوھرند

چو عضوی بھ درد آورد روزگار

دگر عضوھا را نماند قرار

تو کز محنت دیگران بی غمی

نشاید کھ نامت نھند آدمی

 

 „Die Menschen sind die Teile eines einzigen Körpers, die alle aus einem Stoff geschaffen worden sind / Wenn ein Teil dieses Körpers leidet, werden sich auch die anderen Teile unwohl fühlen / Du, der mit dem Leid deiner Mitmenschen gleichgültig umgehst, verdienst nicht, Mensch genannt zu werden.“

Diese Zeilen gehören zu den berühmtesten der persischen Literatur. Saadi schrieb sie vor über 700 Jahren. Mein Großvater brachte sie mir mit sechs Jahren bei. Im dunklen Keller unseres Hauses während der Stromausfälle und der langen dunklen Nächte des Krieges lernte ich sie auswendig. Ich stellte mir vor, dass alle Menschen zum Körper eines einzigen, riesig großen Menschen gehörten. Der riesig große Mensch war die Menschheit.

In meinem sechsjährigen Kopf bestand dieser „Menschheitskörper“ aus allen Menschen in Teheran und Umgebung. Ganz oben auf dem Kopf der Menschheit saß meine Familie. Ich saß zwischen meinem Vater und meiner Großmutter, so ungefähr auf der Stirn der Menschheit. Je älter ich wurde, desto größer wurde der Körper der Menschheit, und es kamen viele andere Städte und Länder hinzu, sodass ich irgendwann im Gymnasium nur noch eine kleine Zelle irgendwo an der Ferse der Menschheit war.

 

Impressionen des Festivals von ©  Laura Velte

 

Meine ersten hellklaren Kindheitserinnerungen sind mit dem Krieg verbunden. Mit dem ersten Golfkrieg, der schon begonnen hatte, bevor ich zur Schule ging. Ein Krieg wie eine zähe Ewigkeit. In der Schule war der Krieg Thema Nummer 1. Eine meiner Mitschülerinnen aus der zweiten Klasse sagte einmal voller Freude: „Ich habe gezählt. Bis jetzt hat der Irak 50 Raketen und Bomben auf uns geworfen. Bald sind seine Bomben aus. Und dann ist der Krieg vorbei.“

„Es wäre schön, wenn das wirklich so wäre. Aber wenn die Bomben alle sind, dann werden neue gekauft“, sagte unsere Lehrerin.

„Kaufen wir auch neue Waffen?“ fragte ich.

„Uns will kein Land Waffen verkaufen“, sagte die Lehrerin.

„Können wir nicht selber Waffen produzieren? Wir haben doch so viel Öl!“ fragte meine Mitschülerin.

„Waffen zu produzieren, ist schwer. Mit dem Öl können wir höchstens unsere Häuser heizen. Denn wir gehören zur Dritten Welt. Nur Industrieländer sind in der Lage, Waffen zu produzieren. Solange Waffen hergestellt und verkauft werden, wird es immer Kriege geben. Seid froh, dass ihr Mädchen seid und nicht zur Front müsst. Denn während ihr jetzt in der Schule sitzt, sind viele Jungs in eurem Alter an der Front.“

An diese Worte unserer Lehrerin denke ich sehr oft. Es waren tatsächlich Männer, die in jedem Alter an der Front kämpften. Frauen zogen erst später freiwillig an die Front.

Vor jeder Luftattacke war der rote Alarm zu hören. Er wurde während des acht Jahre dauernden Golfkriegs zu einem Todesruf, präsenter als der Gebetsruf. Zu hören war eine laut tickende Uhr und die ernste Stimme eines jungen Mannes: „Achtung! Achtung! Das Zeichen, das Sie gleich hören werden, bedeutet Gefahr und die rote Situation. Es wird eine Luftattacke geben. Bitte verlassen Sie ihre Arbeit und gehen Sie zum Fluchtort!“ Danach kam der rote Alarm. Er ähnelte einem atemlosen, lauten, langen Schrei. Er wurde immer lauter. Unheimlicher. Immer atemloser vor lauter Schnelligkeit. Alle unterbrachen ihren Alltag und versuchten innerhalb von drei Minuten in den Keller zu gelangen. Irgendwann war der rote Alarm aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Jedes Mal dachte ich: Jetzt ist unser Haus dran. Das Leben könnte jetzt zu Ende gehen.

Die Sirenen meldeten sich oft in der Nacht. Unter den Alptraumschatten wirkten sie dunkelrot. Niemand durfte das Licht anmachen, sonst hätte der Tod die Lichter gelöscht. Nicht mal eine Zigarette durfte während der nächtlichen Luftattacken angezündet werden. Was für ein Glück, dass in unserem Hof keine Glühwürmchen leben, dachte ich oft. Im Keller, als wir alle zusammen auf den möglichen Tod warteten, zitierten Großvater und die alten Nachbarn, die kaum noch laufen konnten, auswendig die Gedichte von Saadi, Rumi und Hafez. Als ob die Gedichte heilige Worte an unserem Sterbebett wären.

Kurz nach dem roten Alarm blitzte und donnerte es, und der Tod in seinem Feuerkostüm warf sich schreiend auf die Erde und nahm das Leben unbewaffneter Menschen.

Das Menschheitsbild, das ich mir durch Saadis Gedicht ausgemalt hatte, bekam nach jeder Attacke einen neuen Knick. Die irakischen und iranischen Soldaten töteten sich gegenseitig. Dabei waren wir Nachbarländer und brüderlich mit vielen anderen Ländern als Dritte Welt vereint. Ich stellte mir vor, dass die Dritte Welt die Beine und Füße des Menschheitskörpers waren und die erste Welt die oberen, die wichtigen Organe wie das Gehirn und das Herz.

Wenn der Irak der linke Fuß und der Iran der rechte Fuß der Menschheit waren, wie konnte dann der Kopf zuschauen, wie seine Füße sich gegenseitig bombardierten? Das Absurdeste an diesem Bild war, dass der Menschheitskörper seinen linken Fuß sogar bei der Vernichtung seines rechten Fußes aktiv unterstützte. Wenn sich die Füße der Menschheit weiter gegenseitig schlugen und verletzten, würde der Menschheitskörper in Zukunft in einem riesigen Rollstuhl sitzen müssen oder im besten Fall beim Gehen nur noch humpeln, dachte ich. Oft betete ich in meinem müden Kinderkopf, dass die Erste Welt statt Waffen etwas anderes produzieren und verkaufen sollte. Etwas wie Riesenräder. Rutschbahnen. Schaukeln.

Trotz des Krieges wurden täglich Menschen innerhalb des Landes festgenommen, weil sie anders dachten. Sie wurden ohne Rechtsbeistand verurteilt und ermordet. Allein in den 80er Jahren wurden tausende politische Gefangene erhängt. Die 80er Jahre waren Schreckens- und Todesjahre. Viele Menschen flohen aus meiner Heimat. Auf den Exilsendern, die Großvater empfing, wurde viel über die „Flucht der Gehirne“ aus meiner Heimat berichtet.

In meinem achtjährigen Kopf verfeinerte ich das Bild des Menschheitskörpers: Die Länder waren also nicht nur Teile des Menschheitskörpers, sondern jedes Land war auch ein Körper für sich selbst. Jedes Land hatte auch seine eigenen Körperteile und ein Gehirn. Alle Länder zusammen und ganz dicht beieinander ergaben dann den gesamten Menschheitskörper. Darin war auch der Körper meiner Heimat. Ich sah, wie sich Löcher bildeten in ihrem Kopf. War meine Heimat nach der „Flucht der Gehirne“ überhaupt noch zu retten? Großvater sagte, dass ein Mensch ohne Gehirn entweder verrückt oder hirntot sei. Vielleicht lag meine Heimat im Koma.

Mit acht Jahren dachte ich, dass ich meine Heimat nie verlassen würde. Ich dachte, ich würde Medizin studieren und die verletzten und gefolterten Menschen heilen. Mit neun dachte ich, in Zukunft würde es in meiner Heimat genügend Ärzte geben, denn fast alle meine Mitschülerinnen wollten ebenfalls Medizin studieren. Ich entschied, Hirnforscherin zu werden. Meine beste Schulfreundin war eine der wenigen in unserer Klasse, die Mathematik studieren wollte. Ich überredete sie, Gehirnwissenschaft zu studieren. „Wenn wir die menschlichen Gehirne verstehen würden, dann könnten wir vielleicht ihre Flucht aus dem Land verhindern“, sagte ich, während sie mir mit Freude zuhörte. „Mein Großvater meint, wenn Gehirne in einem Land bleiben, dann können sie sich auch etwas ausdenken. Neue Maschinen und gutes Benzin, das die Luft nicht verpestet.“

Meine Schulfreundin hat wie ich den Krieg überlebt und ist Neurologin geworden. Sie ist im Iran geblieben. Ich aber verließ meine Heimat. Es war ein kalter, nebliger Tag, an dem ich in Deutschland ankam. Ich war wie unter einer Haube aus Glas.

 

Ayeda Alavie (2.v.r.) bei 'Acht Mal Ankommen' in der Monacensia

 

Die deutsche Sprache war die erste Besucherin, die an diesem kalten Tag an meine Haube klopfte und zu mir „Guten Tag“ sagte. Dankbar nahm ich ihr „Guten Tag“ als ein Geschenk an. Somit wurde „Guten Tag“ das erste Juwel in meinem deutschen Wortschatz.

Bald prasselte die deutsche Sprache täglich gegen meine Haube und sprach mit mir in ihrem regelmäßigen, regenmäßigen, fremdenfreundlichen Sprachrhythmus. Deutsche Wörter klangen in meinen Ohren gradlinig. Sie strahlten transparent. Sie wollten mit mir kommunizieren. Sie wollten, dass ich sie verstehe. Dasselbe wollte ich auch. Dass sie mich verstehen. So begann ich sie zu lesen. Zu hören. Zu verstehen.

Nach einiger Zeit las ich in den deutschen Büchern, deren Übersetzungen ich schon in meiner Muttersprache gelesen hatte. Bücher wie Und sagte kein einziges Wort. Fred und Käte Bogner, Heinrich Bölls Romanfiguren, waren wie alte Freunde, die ich erstmal in meiner Muttersprache kennengelernt hatte. Ihr gemeinsames Schicksal hatte mich zutiefst gerührt. Sie waren die erste Deutschen, die ich wie Verwandte in mir aufgenommen hatte. Wer hätte gedacht, dass ich sie in ihrer Muttersprache und in ihrer deutschen Heimat wieder sehen würde? Romanfiguren wie Fred und Käte Bogner haben mir am meisten Deutsch beigebracht. Sie nahmen mich auf in ihre deutsche Wortwelt. In eine Welt, die ähnlich war wie die Welt nach dem Krieg in meiner Heimat. Wir alle drei wussten, was Religion, Krieg und Kriegsfolgen bedeuteten.

Religion, Krieg und Kriegsfolgen sorgen dafür, dass genauso wie vor 30 Jahren immer noch Gehirne aus dem Körper meiner Heimat fliehen. Wie ein rotes Blutkörperchen bewege ich mich zwischen dem deutschen und dem persischen Körper. Schwimmend in der Blutbahn, dazwischen.

Mein Kindheitswunsch, etwas für den leidenden Körper meiner Heimat zu tun und sein Gehirn zu retten, ist nicht in Erfüllung gegangen.

Und ich erfahre, dass es jetzt nicht mehr nur um Gehirne, sondern beinahe um alle Organe geht. Sie verlassen ihre vertrauten Körper. Die neue Flucht könnte vor allem „Flucht der Nieren“ genannt werden. Das Internet ist voller Verkaufsanzeigen für Nieren, Lebern und sogar Augen. Auch an den Wänden und Türen um die Krankenhäuser und Dialysezentren herum sind kurze Anzeigen wie diese zu lesen:

Blutgruppe B+ Verkaufe meine Niere. Bin 26. Nichtraucher. Treibe Sport. Nach Vereinbarung.

Blutgruppe A- Verkaufe eine Niere und halbe Leber. Bitte kein Makler. OP-Vorbereitungen schon vorhanden.

Blutgruppe 0- Verkaufe Niere, Augenhornhaut, 28 Jahre alt. Nichtraucher. Nicht drogenabhängig. Bitte keine Lebensweisheiten am Telefon. Ich weiß, was ich tue. Bitte nur ernst gemeinte Käufer. Mein Wert ist 100 Millionen.

Neben Organanzeigen sind auch allerlei andere Anzeigen an die Wände geklebt: Verkaufe neue Duschvorhänge, Fleischwolf, Waschmaschine AEG zu halbem Preis.

Um mir selbst ein Bild zu machen, rufe ich einige Nummern an. Es sind vor allem Männer, die ihre Organe verkaufen wollen. Sie gehen meist schnell ran. Auf meine Frage, warum sie ihre Organe bei lebendigem Leib verkaufen wollen, geben sie mir solche und ähnliche Antworten:

Blutgruppe A- : „Wozu brauche ich zwei Augen? Ich kann auch mit einem Auge genug sehen. Was gibt es überhaupt noch zu sehen? Nur Elend.“

Blutgruppe B- : „Von welchem Planeten rufen Sie mich an? Ich sage Ihnen eins: Hier ist der Planet Hölle! Nicht mal mehr Medikamente werden importiert. Darum werden ja auch viele überhaupt erst krank und bekommen Organschäden und brauchen dann eine Transplantation. Es fehlt an allem. Das Land ist völlig isoliert. Und es kommen jeden Tag neue Sanktionen hinzu. Als ob die bisherigen nicht genug wären. Was ist das für eine Welt? Nur Feindschaft! Nur Angst und Sorge! Nur Inflation! Was bleibt einem übrig? Ein Ei kostet 600 Toman. Nicht mal ein einfaches Brot kann man sich mehr leisten. Nieren zu verkaufen, ist nichts Ungewöhnliches in diesem Land. Ich bin 55. Ich wäre heilfroh, wenn jemand überhaupt meine Niere kaufen würde. Viele wollen junge Organe kaufen. Wer kauft eine 55-jährige Niere, während die 18-Jährigen ihre Nieren unter dem Marktpreis verkaufen? Ich bin ein Familienvater und schäme mich jeden Tag vor meiner Familie. Seit Monaten kann ich nicht mal ein Kilo Obst für sie kaufen. Ich sage Ihnen eins: Es gibt nichts Schlimmeres in diesem Land, als als Mann geboren worden zu sein.“

Blutgruppe B+ : „Für die Menschen, die sich ein normales Leben leisten können, ist die zweite Niere die ‚Reserve’. Für die Armen ist sie die ‚Ersparnis’. Die zweite Niere, das zweite Auge sind unser einziges Kapital. Meine Organe sind ohne Alkohol gesund geblieben. Dank der Verbote im Gottesstaat! Wenn ich allein mit dem Geld, das ich vom Verkauf eines Auges bekomme, die Unigebühren meiner Tochter bezahlen kann, warum sollte ich das nicht tun?“

Blutgruppe 0- : „Ich bin bald 60. Habe nie geheiratet. Habe keine Kinder. Habe mein ganzes Leben für meine Schüler gelebt. Vor einem Monat starb mein Onkel an Nierenversagen. Seitdem denke ich ernsthaft daran, meine Niere zu spenden. Allerdings nur an eine Person, die sich auf dem freien Markt keine Niere leisten kann. An einen wirklich armen, kranken Menschen würde ich  meine Niere sofort spenden. Es gibt viele, die ihr Hab und Gut verkaufen, um ihrem Kind eine gesunde Niere zu kaufen. Nur für die Nachbehandlungen und für die Medikamente würde ich dann etwas Geld verlangen.“

Blutgruppe A- : „Ich bin Arbeiter. Angestellt. In einer Fabrik. Jetzt haben wir seit Monaten keine Gehälter mehr bekommen. Auch unsere Krankenversicherungen wurden nicht gezahlt. Protestieren kann man schon. Aber dann wird man endgültig gekündigt. Wer will mich noch anstellen? Im besten Fall wird man als Unruhestifter dargestellt. Deshalb habe ich entschieden, eine Niere und meine halbe Leber zu verkaufen. Eine Niere reicht mir aus. Und meine halbe Leber wird sich von allein reparieren. Das wissen viele Menschen. Alle sagen, dass die Leber wächst. Weiter wächst.“

Mir wird kalt, wenn ich an die Leber denke. Es riecht nach Eisen, Blut, Kälte.

Die Worte meiner Landsleute vermehren sich in meinem Kopf. In der Nacht, wenn ich mich hinlege, sehe ich Bilder von verstümmelten Menschen. Viele Menschen gehen humpelnd von einer Wand zur anderen, um ihre Organe an die Nägel der Metzgereien zu hängen. Überall ist an die Wand geschrieben: Frisch! Frische Niere! Frische Leber! Zum halben Preis! Die Wände sind voller Blutstropfen. Die unterschiedlichen Blutstropfen von unterschiedlichen Blutgruppen stoßen sich gegenseitig ab: A gegen B. B gegen A. Plus gegen Minus. Ich sehe, wie alle Menschen zusammen im Chor singen: „Die Leber wächst! Es lebe die Leber!“ Eine schwangere Frau schreibt mit großen Worten an die Wand: Zentrum des Leberwachstums.

Danach legen sie sich alle solidarisch in die Sonne und warten, bis sich ihre halbierten Lebern reparieren und wachsen. Die Leber lebt. Sie wächst wie ein Gummibaumblatt in der Sonne. Sobald die Lebern vollständig ausgewachsen sind, halbieren die Menschen ihre Lebern wieder. Sie sitzen dann ruhig in der Sonne und essen zusammen ihre neu gewachsenen Lebern. Und so geht es weiter und weiter. Bis ich aufwache.

 

 


Externe Links:

Homepage von Ayeda Alavie

Feature mit Ayeda Alavie auf Bayern 2

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